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Bornholm: Der Osten des dänischen Inselreichs

Von Thomas Hillebrand

(Teil 4 eines mehrteiligen Reiseberichts)

Mittwoch, 17. August 2005

Als wir nach dem Festmachen und Umziehen nach 22:00 in der einzigen Gaststätte von Christiansö eintreffen, hat die Küche bereits geschlossen. Wir trinken enttäuscht zwei Bier und kehren an Bord zurück.

Donnerstag, 18. August 2005

Da die Wetterberichte endlich keine Katastrophen mehr ankündigen, erlauben wir uns noch einmal einen Hafentag.

Der Hafen von Christiansö
Der Hafen von Christiansö

Die kleinen Inseln Christiansö und Frederiksö, die auf Dänisch auch Ertholmene ("Erbseninseln") genannt werden, sind nicht nur besondere landschaftliche Kleinodien, sondern man atmet hier auch den Hauch der baltischen Geschichte ein. Aber es muss wirklich als erstes gesagt werden: Kaum ein Anlaufpunkt für Segler in der Ostsee ist so überlaufen wie die beiden Erbseninseln! Nicht nur, dass man hier im Sommer in Päckchen mit vier bis sechs Booten liegt, mehrfach täglich bringen Fähren auch noch Tagesbesucher in großer Zahl. Wer Ruhe sucht, sollte besser Bornholm anlaufen.

Für Segelboote wird die Schwenkbrücke nicht geöffnet!
Für Segelboote wird die Schwenkbrücke nicht geöffnet!
Die Ertholmene sind zwei kleine, von ein paar Dutzend Menschen bewohnte Felseninseln, die einige Seemeilen nordöstlich von Bornholm der offenen Ostsee trotzen. Die beiden Eilande von gerade einigen Hundert Metern Länge liegen direkt nebeneinander und sind durch eine alte kleine Fußgängerbrücke aus Stahl miteinander verbunden. Unterhalb dieser Brücke, im schmalen Sund, liegt der Hafen. Die Landschaft ist von maritimer Kargheit und wird dominiert von Felsen und darauf wachsenden Flechten. Gleichzeitig jedoch ist die größere der beiden Inseln eine Festungsanlage aus dem siebzehnten Jahrhundert. Das Ufer ist komplett mit mächtigen, aus Naturstein gemauerten Verteidigungswällen gesichert. Das natürliche Material der Felseninsel und jenes der Festungsanlagen gehen kaum merklich in einander über. Die Atmosphäre ergreift wohl jeden: Während der Besucher sich im Geiste in vergangene Jahrhunderte versetzen lässt, wird sein Blick immer wieder über die schweren Mauern in die Einsamkeit der offenen See entführt.

Christiansö: Festung mitten in der Ostsee
Christiansö: Festung mitten in der Ostsee

Die Geschichte der Inseln war bestimmt von ihrer strategischen Lage. Während des Schwedisch-Polnischen Krieges (1655 bis 1660), im Laufe dessen sich Dänemark auf die Seite Polens gestellt hatte, konnte die schwedische Krone ihren Machtbereich an der Ostsee ausweiten: Im Jahr 1658 musste Dänemark alle Besitzungen östlich des Öresunds abtreten. Doch die Bevölkerung auf Bornholm, das seit dem elften Jahrhundert meist dänisch gewesen war, erhob sich im Dezember desselben Jahres, entwaffnete die schwedischen Besatzer und vermachte die Insel einschließlich der Ertholmene dem dänischen König Frederik III (*1609, +1670).

Rantzaus Bastion entstand 1736
Rantzaus Bastion entstand 1736
Aber erst 26 Jahre später beschloss König Frederiks Nachfolger auf dem Thron, Christian V (*1646, +1699), die Inseln, die den östlichsten Punkt Dänemarks markieren, als Stützpunkt zu nutzen. Im Jahr 1684 begann ausgiebige, jahrzehntelange Bautätigkeit. Unter der Leitung des norwegischen Militärbaumeisters Anthony Coucheron wurde Christiansö zur Festung ausgebaut - am äußersten Rand des dänischen Königreichs und mitten in einem von den Schweden beherrschten Seegebiet.

Seit 1855 ist Christiansö zwar offiziell keine Festung mehr, doch sind die Ertholmene noch heute direkt dem dänischen Verteidigungsministerium unterstellt und gehören zu keinem Amtsbezirk. Den Bewohnern bleibt daher die Zahlung von Kommunalsteuern erspart. Vermieter der wenigen Mietwohnungen auf Christiansö und Frederiksö ist ebenfalls das Verteidigungsministerium.

Die südliche Einfahrt führt zum Hafenteil für Segler
Die südliche Einfahrt führt zum Hafenteil für Segler

Übrigens: Die Einreise mit Haustieren nach Christiansö und Frederiksö ist nicht gestattet.

Freitag, 19. August 2005

Westküste Bornholms südlich der Hammer Odde
Westküste Bornholms südlich der Hammer Odde
Bei wunderbarem Wetter laufen wir gegen 9:40 Uhr aus. Der schwache Ostwind erlaubt uns bis zur Hammer Odde, dem Nordwestkap von Bornholm, vor dem Wind zu segeln. Danach haben wir bis Rönne einen Halbwindkurs. Bereits um 15:35 Uhr liegen wir im alten Bootshafen von Rönne. Abgesehen davon, dass wir nicht unbedingt Liebhaber großer Marinas sind, hat dieser Hafen (neben guten und gepflegten sanitären Einrichtungen) einen besonderen Vorzug: Man liegt direkt neben einem gut sortierten Fischladen.

Der Leuchtturm, Wahrzeichen von Rönne
Der Leuchtturm, Wahrzeichen von Rönne
Rönne ist mit rund 15.000 Einwohnern die größte Stadt auf Bornholm und Verwaltungssitz der aus Granit bestehenden Insel. Das Stadtbild wird bestimmt durch ein recht ungestörtes Gedränge alter, bunt gestrichener und tonziegelgedeckter Fachwerkhäuser. Obwohl der Rest des dänischen Reiches knapp viermal so weit entfernt ist wie die schwedische Küste, bietet sich zwischen dem Hafen und der Innenstadt eine Kulisse, die typischer für Dänemark ist als viele Orte auf Seeland, Fünen oder in Jütland.

Der Marktplatz von Rönne ist im Sommer Treffpunkt der Stadt. Hier gibt es Straßencafes, Szenekneipen, Restaurants und alle möglichen Geschäfte. Wir trinken dort ein Bier in der abendlichen Sonne und spazieren danach durch die Gassen der Altstadt zurück zum Hafen.

St. Nicolai: Markantes Bauwerk über dem Hafen
St. Nicolai: Markantes Bauwerk über dem Hafen
Der Weg führt uns vorbei am ältesten Bauwerk der Stadt, der Sct. Nicolai Kirke. Die Kirche, die wie viele Gotteshäuser an der Ostsee dem Schutzheiligen der Seefahrer geweiht ist, stammt aus dem Jahr 1275. Ihr Turm und die Querschiffe wurden im sechzehnten Jahrhundert hinzugefügt. Ältestes Inventar ist ein aus Gotland stammendes Taufbecken aus dem Jahr 1350. Beim Anlaufen von Rönne ist die Kirche eine weithin sichbare Landmarke.

Doch wir wollen heute nicht weiter die Stadt erkunden, wir wollen auf unser Boot zurück. Aus Erfahrung wissen wir: In Skandinavien bieten Restaurants im Vergleich zu Deutschland in der Regel ein schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis. Deshalb haben wir bereits kurz nach unserer Ankunft im Fischladen am Hafen gut und preisgünstig eingekauft.

Kleines Boot, große Küche
Kleines Boot, große Küche
Claudia ist eine begeisterte Köchin, und so wird auf unserem Boot oft recht aufwändig gekocht. Wenn dann noch ein so guter Fischladen wie jener hier am Hafen in der Nähe ist, haben Restaurants in der Nähe keine Chance! Es wird das letzte größere Mahl dieser Reise an Bord sein, deshalb gibt es Fisch satt: Roten Heringssalat und marinierten Hering als Vorspeise, zwei Strömminge, ein kleines Rotbarschfilet und ein Wittlingsfilet als Zwischengang und einen Steinbutt als Hauptgang tischt Claudia auf. So viel Fisch geht natürlich nur mit echtem russischen Wodka runter, aber daran ist bei uns kein Mangel.

Sonnabend, 20. August 2005

Heute steht noch einmal ein langer Schlag an: Von Rönne segeln wir, wegen schwachen Windes zeitweise mit Motorunterstützung, bis nach Freest am Peenestrom.

Sonnenuntergang über dem Greifswalder Bodden
Sonnenuntergang über dem Greifswalder Bodden

Die 71 Seemeilen haben wir bereits um 19:35 Uhr hinter uns gebracht, um unsere Rückkehr im Restaurant "An der Waterkant" zu feiern. Wilfried, ein Freund aus Wolgast, ist mit dem Wagen gekommen und nimmt im ersten deutschen Hafen nach 26 Tagen die Leine entgegen.

Sonntag, 21. August 2005

Es sind nur noch sieben Seemeilen den Peenestrom hoch bis in unseren Heimathafen Wolgast. Nach 752 Seemeilen in fünf Ländern sind wir wieder zu Hause.

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