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Revierführer Atlantische Inseln: Kanarische Inseln, Madeira und Azoren - von Jimmy Cornell


Canary Islands Cruising Guide 5th 2006, Jimmy Cornell


Das Ende der Welt - Geheimtipp Kanaren

Von Thomas Hillebrand

Sind es nicht Januar und Februar, in denen Segler am meisten leiden? Im November konnte man endlich tun, wozu einem die abgelaufene Segelsaison keine Zeit ließ, im Dezember war man im Weihnachtsstress und ab März laufen bereits die Vorbereitungen auf die neue Saison. Aber im Januar und Februar, wenn der Frost am strengsten ist, liegt das Segeln so fern, dass es einem auf die Seele schlägt. Könnte man meinen...

Die Lösung für dieses Problem heißt: Chartersegeln auf den Kanaren. Die beiden Frustmonate sind dort die beste Jahreszeit zum Segeln. Es herrscht das konstanteste Klima mit Temperaturen von deutlich über 20 Grad. Und gleichmäßige Passatwinde zwischen 3 und 6 Beaufort machen das Segeln komfortabel - Stürme wie Flauten sind sehr selten. Aber so erstaunlich es angesichts des Massentourismus der Sonnenanbeter klingen mag: Als Segelrevier sind die Kanaren bisher noch ein Geheimtipp.

Sonnabend, 7. Januar 2006

Co-Skipper Anil ist gern schnell unterwegs...
Co-Skipper Anil ist gern schnell unterwegs...
Neun Knoten zeigte die Logge, bei halbem Wind. Unter uns rauschte der Atlantik durch. Kurs Südost. Am Horizont erkannte man schwach die Insel Gran Canaria, 150 Seemeilen voraus lag die Küste Westsaharas. Bei eher schwachem Wind von kaum mehr als 10 Knoten holten Anil, mein Co-Skipper, und ich einmal kurz alles aus der 50 Fuß langen Charteryacht heraus. Der Rest unserer sechsköpfigen Crew war für unseren einwöchigen Törn einkaufen gegangen. Wir wollten ausprobieren, ob die Yacht auf dem Wasser irgendwelche Probleme macht. Machte sie nicht. Nach rund einer Stunde lagen wir wieder in Santa Cruz de Tenerife, der Hauptstadt Teneriffas, in der Marina del Atlantico.

Sonntag, 8. Januar 2006

Santa Cruz de Tenerife - Los Christianos (Tenerife) (42 sm)

Auf ging's! Unser Ziel war zunächst der Süden der Insel - um eine möglichst gute Ausgangsposition für die Überfahrt nach La Gomera zu haben. Der nach wie vor schwache Nordostpassat brachte uns auf dem Vorwindkurs entlang der Inselküste nicht gerade zügig voran. Teilweise ließen wir den Diesel mitlaufen - wie sonst auf dem Greifswalder Bodden! Dabei war dies hier der Atlantik! Sollte es nur zu einem "Dieselurlaub" reichen?

Schwachwindlage: Angler auf dem Atlantik
Schwachwindlage: Angler auf dem Atlantik
Wohl kaum, wenn wir den Revierführern glauben durften, die wir gelesen hatten! Allerdings: Obwohl man hier im Winter mit stetigerem Wind zu rechnen hat als in nördlichen Breiten, herrsche hier bei allgemein schwachwindiger Wetterlage in Lee der großen Inseln oft Flaute, stand zu lesen. Wegen eines herannahenden Tiefs hatte der Nordostpassat etwas zurückgedreht und kam fast von Nord. Wir befanden uns also genau in Lee von Teneriffa und es war zu hoffen, dass dies unser einziger Schlag unter Motor sein würde.

Damit keine Missverständnisse über das Segeln unter Land aufkommen: Die nautische Literatur warnt auch vor unberechenbaren Thermiken aufgrund der hohen Berge. Dicht unter Land seien Fallböen in wärmerer Jahreszeit keine Seltenheit. Und zudem seien die Kanaren reichlich mit Kap- und Düseneffekten ausgestattet. In den so genannten Windakzelerationszonen bewirken diese Effekte ein Ansteigen der normalen Windstärke um bis zu drei Beaufort. Und das, so zeigen entsprechend nützliche Karten für bestimmte Wetterlagen, geschieht relativ küstennah und zumeist etwas leewärts der breitesten Ausdehnung der jeweiligen Insel, also genau da, wo der Unkundige vielleicht eine "Landabdeckung" vermutet. Es ist daher Vorsicht angebracht, denn der Wind kann lokal schnell stärker werden, und man sollte die Reffeinrichtung beherrschen. Positiv vermerken die Berichte dazu allerdings, dass sich in den relativ begrenzten Windakzelerationszonen kaum eine hohe Welle aufbauen kann.

Apropos Seegang: Die in vielen Reiseberichten von Atlantikseglern erwähnte Dünung ist zwar auf See ein unglaublich schönes Erlebnis, wenn sie aber von freiem Seeraum her unvermittelt auf die Kanarischen Inseln trifft, kann sie recht zerstörerisch sein. Die haushohen Seen weit entfernter Winterstürme im Nordatlantik führen oft zu langer weicher Dünung von bis zu fünf und manchmal gar acht Metern. Erst ganz kurz vor der Küste staut sich diese Dünung zu einer hohen und gefährlichen Brandung auf. Insbesondere deshalb sind die teilweise schlecht geschützten älteren Häfen der Inseln mit Vorsicht zu genießen. Und das Ankern in Buchten will gut vorbereitet sein. Die Dünung ist deshalb Teil des Seewetterberichts auf den Kanaren.

Sonnenuntergang an der Südküste Teneriffas
Sonnenuntergang an der Südküste Teneriffas
Doch damit sind die entscheidenden Besonderheiten auch bereits aufgezählt. Die Gezeiten, deren Hub in Nippzeiten 1,8 Meter und zur Springzeit bis 2,8 m beträgt, sind geringer als in vielen Nordseehäfen. Einziger Unterschied: Es gibt hier praktisch keine Verzögerung der durch Voll- und Neumond verursachten Springtide, die in der Nordsee etwa drei Tage ausmacht. Bemerkenswert wäre allenfalls noch der Kanarenstrom, der mit einem Knoten nach Südwest setzt; aber wer kennt nicht solche Strömungen aus seinem heimischen Revier?

Im Abendlicht hatten wir plötzlich eine Delfinschule neben dem Boot. Mindestens ein Dutzend Tiere gaben uns einige Meilen Geleit.

Kurz nach einem herrlichen Sonnenuntergang liefen wir in Los Christianos, einem kleinen Hafen an der Südwestküste Teneriffas ein. Es gab hier weder eine Marina, noch Platz an der Kaimauer. Wir mussten, wie ein Dutzend anderer Segelyachten, im südöstlichen Bereich nahe dem Ende der Mole ankern - und unsere erste Lektion lernen. Irgendwann in der Nacht setzte zusammen mit kräftigem Regen von Süden kommender Schwell vom Atlantik ein, der sich in unserer Bucht zu einer kurzen steilen Welle aufbaute. Ohne dass es eine besondere Veränderung der Windverhältnisse gegeben hätte, lagen wir nun plötzlich extrem unruhig - an Schlaf war nicht mehr zu denken. Noch vor Sonnenaufgang liefen wir aus, um dem Geschaukel ein Ende zu bereiten.

Montag, 9. Januar 2006

Los Christianos (Tenerife) - San Sebastian de la Gomera (24 sm)

Die Überfahrt von Los Christianos nach San Sebastian de Gomera war eine Sache von gut drei Stunden. Wohl, weil man sich auf der langen Atlantikdünung wunderbar in den Schlaf wiegen lassen kann, fand sich nach kürzester Zeit nur noch Claudia an Deck. Sie brachte uns routiniert zu einem Ort von weltgeschichtlicher Bedeutung.

Bucht von San Sebastian auf La Gomera: Hier schritt Kolumbus zur Tat
Bucht von San Sebastian auf La Gomera: Hier schritt Kolumbus zur Tat

In der unscheinbaren Bucht von San Sebastian mit ihrem schwarzem Lavasand gingen am 6. September des Jahres 1492 Christoph Kolumbus und rund 100 Mann an Bord ihrer drei Schiffe. Sie fuhren von hier aus 36 Tage lang Richtung Westen ins Ungewisse. Dann, am 12. Oktober 1492, betrat Kolumbus auf einer Insel, die er San Salvador taufte, die Neue Welt.

Dienstag, 10. Januar 2006

Hafentag

Natürlich hat sich in San Sebastian in den letzten 500 Jahren einiges getan. Und so findet man am Ende eines großen Fährhafens eine ausgezeichnet geschützte und komfortable Marina, von wo aus wir die Insel La Gomera erkundeten.

Sonnenaufgang in der Marina La Gomera
Sonnenaufgang in der Marina La Gomera
Die Kanaren sind erdgeschichtlich recht junge Inseln, die durch Vulkanausbrüche entstanden sind - entsprechend steil sind die Berge. Nach kurzer Fahrt mit einem preiswerten Leihwagen sind wir auf rund 1.000 Meter Höhe und schauen hinüber auf den Teide. Der Pico del Teide auf Teneriffa ist mit 3.718 Metern der höchste Berg Spaniens. Er ist ein Vulkan und zuletzt 1798 ausgebrochen. Sein Gipfel liegt meist über den Wolken und ist im Winter schneebedeckt.

Blick hinüber nach Teneriffa auf den Teide
Blick hinüber nach Teneriffa auf den Teide

Eines unserer Ziele auf La Gomera war der 1981 eingerichtete Garajonay Nationalpark: Auf 40 Quadratkilometern beherbergt er eine Vielzahl immergrüner subtropischer Pflanzen. Die enorme wissenschaftliche Bedeutung resultiert aus der Fülle Arten, die sich seit dem Tertiär (begann vor 65 Millionen Jahren und endete vor 2,6 Millionen Jahren) hier erhalten haben, auf dem Kontinent aber während der Eiszeiten verschwanden.

Einzigartig seit der Eiszeit: Flora des Tertiär auf La Gomera
Einzigartig seit der Eiszeit: Flora des Tertiär auf La Gomera

Zu einem ausgiebigen Mittagsmahl mit Fisch und Meeresfrüchten fuhren wir ins malerische Valle Gran Rey. Was uns eine schlaflose Nacht gelehrt hatte, zeigte sich auch im hiesigen Hafen: Schon leichte Dünung auf dem Atlantik machte aus der Bucht eine kabbelige Achterbahn, die man als Liegeplatz über Nacht kaum empfehlen kann. Immerhin, schön war es hier!

Romantisch, aber zu ungeschützt für Segler: Valle Gran Rey
Romantisch, aber zu ungeschützt für Segler: Valle Gran Rey

Als wir auf dem Rückweg den Ort Arure durchfuhren, der im Westen der Insel an der Straße nach Valle Gran Rey liegt, stießen wir auf die "Bodega Vino Tinto". Der überaus freundliche Besitzer Señor Silvestre ließ uns sämtliche seiner köstlichen Weine probieren. Und wir erwarben etliche Flaschen, die Etiketten mit seinem Namen trugen.

Señor Silvestre in der Bodega Vino Tinto
Señor Silvestre in der Bodega Vino Tinto


Mittwoch, 11. Januar 2006

San Sebastian de la Gomera - Puerto de la Estaca (El Hierro) (61 sm)

Für die 61 Seemeilen von San Sebastian de la Gomera nach Puerto de la Estace auf El Hierro benötigten wir nicht einmal sieben Stunden. Mit durchschnittlich fast 9 Knoten Fahrt rauschten wir bei annähernd sechs Beaufort raumem Wind dahin. Kursgenaues Surfen auf der schräg von achtern anrollenden Welle strengte die weniger erfahrenen Rudergänger an und wir wechselten uns öfters ab. Nachteil dieses Kurses: Es soll an diesem Nachmittag zu Fällen von Seekrankheit gekommen sein, die dem Skipper dezent verschwiegen wurden, weil sein Spaß beim Surfen nicht leiden sollte.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang waren wir am Ende der Welt.

Dass ab El Hierro in Richtung Westen nur noch Wasser käme und dann das Universum, war seit der Antike eine weit verbreitete Vorstellung - so lange, bis Kolumbus den Weg in die Neue Welt fand. Der griechische Geograph und Astronom Ptolemäus legte deshalb den Nullmeridian seines Geosystems bereits im Jahr 150 auf El Hierro, das früher Ferro genannt wurde. Und obwohl Kartographen ab 1492 den amerikanischen Kontinent zu berücksichtigen hatten, blieb der Nullmeridian in den meisten Kartensystemen noch für Jahrhunderte auf El Hierro liegen. Erst 1884 löste die Londoner Sternwarte in Greenwich El Hierro als international anerkannten Bezugspunkt ab.

Für mehr als tausend Jahre das Ende der Welt: Puerto de la Estaca auf El Hierro
Für mehr als tausend Jahre das Ende der Welt: Puerto de la Estaca auf El Hierro

In dem kleinen Hafen mussten wir an einer Pier festmachen, die eigentlich kaum für Segelyachten geeignet war. Ein vielleicht 30 Zentimeter breiter Vorsprung der Kaimauer lag anfänglich noch einige Handbreit über unserer Reling. Aber es war absehbar, dass die Flut das Boot unter den Vorsprung schieben und dann schlimme Schäden anrichten würde. Wir machten mit sehr langen Leinen an der Pier fest, um dem Tidenhub von zwei Meter achtzig bei Vollmond zu trotzen, und brachten unseren Heckanker seitlich ins Hafenbecken aus, so dass er uns von der gefährlichen Kante wegzog. Aus im Hafen angeschwemmtem Treibholz machte ich dann noch behelfsmäßige Fenderbretter und hängte damit zwei doppelt gepackte Fenderreihen aus, so dass allenfalls die äußere Lage Fender unter die Kante hätte rutschen können, nicht aber das Boot. So lagen wir mehr als eine volle Tide ruhig und sicher, ohne noch einmal einen Festmacher anfassen zu müssen.

Ich musste an einen Segelratgeber über die Kanaren denken, in dem es hieß, wer nicht mit Tidenhub und Fenderbrett umzugehen weiß, der solle es besser erst einmal mit anderen Revieren versuchen. Das ist wohl richtig: Denn Schwimmstege, die man in Nordeuropa ab einer Handbreit Tidenhub anlegt, gibt es hier nur in den großen Marinas.

Einmal an Land geklettert sahen wir, dass die EU-Mittel zur Errichtung einer Marina mit Schwimmstegen bereits bewilligt hat und die Konstruktionspläne auch schon fertig sind. In Kürze soll man also auch hier sehr bequem festmachen können.

Einstweilen jedoch liegt El Hierro irgendwie doch noch am Ende der Welt, wie wir während unseres leider kurzen Aufenthalts erahnen konnten.

Kaum hatten wir das Boot vertäut, kam die Polizei und wollte die Bootspapiere sehen. Die Frage eines Beamten, ob wir aus Brasilien kämen, erschien mir einen Moment lang wirklich absurd. Aber wenn man von Brasilien nach Europa segelt, ist Puerto de la Estaca auf El Hierro wohl durchaus ein ganz gewöhnlicher Anlaufpunkt.

Wenig später saßen wir im Taxi, das uns den Berg hoch auf knapp 600 Meter Höhe brachte. In der Inselhauptstadt Valverde mit ihren 1.700 Einwohnern ist im Januar das Angebot an Nachtleben begrenzt: Nur ein Lokal hatte geöffnet, das als Bar und Restaurant gleichzeitig fungierte. Der Wirt war ausnehmend freundlich und das Essen mit viel Liebe zum Details zubereitet. Die meisten von uns aßen El Gallo, einen hervorragend schmeckenden im Archipel häufig gefangenen Fisch. Nur eines war nicht so ganz nach dem hohen Anspruch verwöhnter Großstädter: Obwohl in dem kleinen Lokal außer uns nur zwei oder drei Gäste etwas tranken, schien das Eindringen unserer Crew mit ihren sechs hungrigen Mäulern den Wirt ein wenig aus dem Konzept zu bringen. Die Sache mit den Getränken ging in der Hektik unter und einige aufgenommene Essensbestellungen bedurften nach einiger Zeit zunächst der erneuten Bestätigung durch den ausgehungerten Besteller. Während einige von uns darauf ein ganz klein wenig genervt reagierten, hatte ich volles Verständnis für den Gastronom. Wir waren schließlich am Ende der Welt! Und hier kommen nicht viele durch. Nur ein paar, die nach Brasilien wollen oder nach San Salvador.

Donnerstag, 12. Januar 2006

Puerto de la Estaca (El Hierro) - Santa Cruz de La Palma (62 sm)

El Hierro ist, so viel bleibt nachzutragen, bis heute jene Insel der Kanaren, die am wenigsten dem Tourismus unterworfen ist. Noch um 1960, so ist zu lesen, legte das Postschiff nur einmal wöchentlich im Puerto de la Estaca an. Und auch wenn die Katamaranfähren heute täglich verkehren - wer ans Ende der Welt reisen möchte, ist auf El Hierro nach wie vor gut aufgehoben.

Graue Wolken stürzen den Berg herab
Graue Wolken stürzen den Berg herab
Am Morgen lagen die Berggipfel in schweren, dunkelgrauen Regenwolken, die sich langsam die Hänge herab ergossen. Die Insel am Ende der Welt begann sich zu verstecken. Zeit für uns, die Sonne auf See zu suchen.

Die durch die vulkanische Entstehung hervorgerufene steile Höhe der Inseln führt typischerweise zu diesem feuchten Mikroklima genau über der Insel, das man bis weit auf die See hinaus sehen kann.

El Hierro achteraus
El Hierro achteraus

Nach 62 Seemeilen bei schwachem Halbwind, bei dem wir nur auf dem offenen Ozean segeln konnten und in der Nähe der Inseln motoren mussten, erreichten wir La Palma, wo wir am gut geschützten Schwimmsteg des Real Club Nautico an Moorings festmachten.

Freitag, 13. Januar 2006

Hafentag

Wer mag schon am Freitag, dem Dreizehnten, auslaufen? Und dann noch auf den Atlantik? Wir nicht, wir erkundeten die Insel.

Iglesia el Salvador, die Erlöserkirche, von 1503
Iglesia el Salvador, die Erlöserkirche, von 1503
Santa Cruz de La Palma, die 1493 gegründete Hauptstadt des Eilands, hat genug zu bieten für einen Hafentag. Sie gilt als eine der schönsten Städte der Kanaren, die noch die Atmosphäre der Kolonialzeit erahnen lässt. Zum Beispiel vor der Iglesia el Salvador, der 1503 im Renaissance-Stil erbauten Erlöserkirche, eines der imposantesten Bauten der Kanaren.

Gründer von Santa Cruz de La Palma war Alonso Fernandez de Lugo, der in den Jahren 1478 bis 1495 die Kanareninseln Gran Canaria, La Palma und Teneriffa für die Spanische Krone eroberte und die Ureinwohner, die Guanchen, unterwarf. Teneriffa, das erst 1495 als letzte der sieben Kanareninseln an Spanien fiel, war also zur Zeit von Kolumbus' erster Amerikareise noch Feindesland, während La Gomera bereits seit 1404 spanisch war.

Auch auf La Palma gibt es einen sehenswerten Nationalpark, den wir besuchten: Im Parque Nacional de la Caldera de Taburiente gelangt man in einen gewaltigen Vulkankrater, zu dessen Kessel hin die Felswände bis zu 1.500 Meter weit steil abfallen. Die Verwerfungen und Erosionen des Vulkangesteins sind an vielen Stellen gut erkennbar und offenbaren die Entwicklungsgeschichte der Inseln. Fast bereitete es mir ein wenig Nervenkitzel zu wissen, dass die letzten Vulkanausbrüche im Süden von La Palma erst 1949 und 1971 stattgefunden hatten.

Am Rand des Kraters
Am Rand des Kraters

Trotz seiner nur rund 18.000 Einwohner kommt Santa Cruz de La Palma doch recht großstädtisch daher. Der Abend wurde deshalb nicht langweilig - aber er wurde kurz.

Sonnabend, 14. Januar 2006

Santa Cruz de La Palma - Santa Cruz de La Palma (145 sm)

Gegen 1:00 Uhr liefen wir aus - in die warme und mondhelle subtropische Nacht, denn wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Der Wind war perfekt zum Segeln: mal fünf, mal sechs Beaufort. Leider schafften wir es nicht ganz, direkt auf das Nordkap von Teneriffa zuzuhalten. Am Morgen mussten wir in Höhe des Westkaps noch einmal einen gewaltigen Schlag auf den Atlantik hinaus. Aber trotz des Am-Wind-Kurses machten wir beständig über acht Knoten, oft sogar neun - Segeln vom Feinsten.

Und dann erlebten wir doch noch, was zu einem Kanarentörn einfach dazu gehört: Am Nachmittag gegen zwei Uhr sahen wir plötzlich Grindwale, die uns neben dem Kielwasser folgten und dabei immer wieder neugierig aus dem Wasser schauten. Um die Kanarischen Inseln herum soll es knapp dreißig verschiedene Walarten geben - von Delfinen bis hin zu Blauwalen, den größten aller Tiere. Grindwale sieht man hier, von Delfinen abgesehen, am häufigsten. Sie werden bis zu sechs Meter lang, aber unsere zwei machten eher einen jugendlichen Eindruck und waren wohl nicht ganz ausgewachsen. Sie waren offensichtlich das Verabschiedungskommitee für uns, denn unser Törn ging Stunden später zu Ende.

Das Ende der Welt: freier Blick nach Westen
Das Ende der Welt: freier Blick nach Westen

Um 22:30 Uhr lagen wir nach 338 Seemeilen auf dem Atlantik wieder in Santa Cruz de Tenerife.





Von unseren Besuchern verfasste Ergänzungen

Die westlichen Kanaren - Einige Empfehlungen

Wir haben das beschriebene Revier mit Charteryachten im Januar 2005 und Januar 2007 besegelt. Hier einige Alternativen:

Anstelle im ersten Schlag von Sta. Cruz de Tenerife oder Radazul nach Los Christianos zu gehen, empfiehlt sich ein etwas weiterer Schlag nach Los Gigantes (Achtung, bei Südwestwind und hohem Schwell ist die Einfahrt mit großer Vorsicht zu genießen!). Los Gigantes bietet um diese Zeit normalerweise genügend Gastliegeplätze, und ist man erstmal im Hafen, liegt man recht gut geschützt und ruhig. Sowohl die kleine Marina wie auch den Ort selbst fanden wir viel schöner als Los Christianos, wo es von Pauschal-Touris nur so wimmelt.

Wenn man El Hierro besuchen will (und die Insel ist mehr als einen Besuch wert!), sollte man nicht La Estaca anlaufen, sondern La Restinga. Dort liegt man zwar auch an einer Pier und nicht an Schwimmstegen (die sind nur für die kleinen Fischer- und Tauchboote), und man muss Acht geben, dass die Festmacher nicht schamfielen, aber man liegt bei praktisch jedem Wetter ausgesprochen ruhig und ohne Gefahr zu laufen, wie in La Estaca von den "Arkaden" der Kaimauer zerquetscht zu werden.

Der Ort selbst ist auch recht freundlich. Der Wirt des Restaurants "El Refugio" spricht ein wenig deutsch und ordert gern ein Taxi (nicht sehr teuer), mit dem man nach Valverde gelangen kann, um einen Mietwagen für die Inselrundfahrt zu übernehmen. (Es soll auch einen Bus geben, aber wir konnten nicht herausfinden, ob, wann und von wo der tatsächlich fährt).

Und schliesslich ein letzter Tip: Anstelle von Sta. Cruz de la Palma kann man auf La Palma auch gut Tazacorte anlaufen, vor allem, wenn man von El Hierro kommt. Auch hier gibt's im Januar normalerweise genügend Gastliegeplätze. Und man liegt ruhiger und gemütlicher als in der Hauptstadt. Mit dem Mietwagen ist man auch von Tazacorte aus schnell überall, wo man gern hin möchte.

Sabine Klages-Buechner, Hanau
Deutschland



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