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Belle Ile: Bretonischer Außenposten im Atlantik |
Von Thomas Hillebrand
Ihren Namen hat sich Belle-Ile-en-Mer, die schöne Insel vor der Südküste der Bretagne, wahrhaftig verdient. Schroffe Felsenküste, mit der es dem offenen Atlantik trotzt, rahmt das Eiland ein. Ununterbrochen schickt der Ozean seine Wellen in die unzähligen Ecken und Winkel des Gesteins und höhlt sie stetig weiter aus. Das Tosen der Atlantikbrandung und die aufschäumende Gischt sind Wahrzeichen der Belle Ile.
Acht Seemeilen vor Quiberon liegt die 18 Kilometer lange und bis zu 9 Kilometer breite Atlantikinsel. Nur 5.000 Einwohner hat sie, aber in der Hochsaison zusätzlich 20.000 Feriengäste. Zentrum ist Le Palais, jeder zweite Inselbewohner lebt hier. Le Palais wird beherrscht von einer mächtigen Zitadelle aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, die von Prestre de Vauban, dem Festungsbaumeister von Louis XIV., erbaut wurde.
Läuft man in Le Palais ein, sieht man das Bauwerk bereits von weit her als mächtige Landmarke über dem Hafen thronen. Le Palais verfügt über drei Hafenbecken, die sich aneinander anschließen. Das von See kommend erste dient unter anderem auch regem Fährverkehr, man liegt deshalb recht unruhig dort. In der Hauptsaison ist jedoch oft nur noch hier außen ein Ankerplatz oder eine Festmachboje zu finden. Landgang ist daher hier nur mit einem Dinghi möglich! Trotz des Tidenhubs von 3 bis 4,5 Metern hat man hier auch bei Springtide jederzeit genug Wasser unter dem Kiel.
Das zweite Hafenbecken, das mitten in der Stadt liegt, fällt hingegen weitgehend trocken, so dass es sich für Segler nicht eignet. Hier haben die Fischer ihre Boote liegen.
Durch eine Schleuse kommt man in ein tidenunabhängiges drittes Hafenbecken, das durch eine bewegliche Brücke geteilt wird. Im hinteren Teil kann man komfortabel festmachen. Auch sanitäre Anlagen befinden sich hier.
Im Hafen von Le Palais sieht man viele traditionelle Schiffstypen. "Sardiniers", "Thonieres" und "Bisquines" verleihen ihm eine romantische Atmosphäre, wie man sie in den großen Marinas wenig weiter am Festland schon lange nicht mehr findet. Direkt auf der Kaimauer bereiten die Fischer in großen eisernen Töpfen Fischsuppe zu und bieten sie neben ihrem Fang feil. Und nicht nur im Hafen von Le Palais macht die Belle Ile den Eindruck, als habe man hier klammheimlich einen Weg gefunden, sich dem Druck zu unentwegter Modernisierung aller Lebensbereiche erfolgreich zu widersetzen.
Bis in die letzte Gasse hört man je nach Wetterlage beim Gang durch die Stadt das Getose der Brandung. Als besondere Sehenswürdigkeit gilt die in Frankreich einmalige, doppelt verstärkte Stadtmauer von Le Palais mit mehreren mächtigen Toren. Sie ist sehr gut erhalten und stammt aus der gleichen Epoche wie Vaubans Zitadelle, in der sich heute ein Historisches Museum befindet.
An der Nordküste der Belle Ile schneidet sich ein schmaler Fjord in den Fels ein und bietet einem kleinen Hafenort Schutz: In Sauzon - dem wohl häufigsten Motiv für Maler und Fotografen auf der Belle Ile - drängen sich weiss und bunt getünchte Häuser um einen kleinen Fischerhafen. Der Hafen und weite Teile des Fjords fallen bei Niedrigwasser trocken oder werden unangenehm flach. Deshalb gibt es für Segler bereits vor der Hafeneinfahrt, unterhalb hoher Felsen, Bojen zum Festmachen. Doch Vorsicht: Die Felsen bieten zwar guten Schutz vor westlichen Winden, doch wenn bei ablaufendem Wasser Strom gegen Wind steht, liegt man hier, selbst bei schwachem Wind, unter Umständen sehr unruhig.
Dies gilt übrigens auch für die Buchten und Fjorde an der langen Südwestküste der Belle Ile. Recht unabhängig von lokalen Wind- und Wetterverhältnissen laufen hier die meterhohen so genannten "Hules" aus dem Atlantik auf. Diese Atlantik-Dünung ist auf See für viele Segler ein angenehmes Erlebnis, an der Küste jedoch brechen und reflektieren sich die sanften Wellenberge und können an romantischen Ankerplätzen äußerst ruppigen Schwell auslösen oder Fjorde gar zu gefährlichen Fallen machen. Die Höhe der Hules wird deshalb im Seewetterbericht vorhergesagt.
Man kann die felsige Steilküste auch gut zu Fuß erkunden: Geht man von Sauzon aus um den Naturhafen Richtung Osten auf den Pointe de Kerzo zu, führt der Weg direkt an der steil abfallenden Felsküste entlang, wo zahlreiche von der Meeresbrandung ausgehöhlten Grotten liegen. In der berühmtesten von ihnen, der Apothekergrotte (Grotte de l'Apothicairerie), die sich knapp drei Kilometer südwestlich von Sauzon an der Westküste befindet, hat sich das Wasser viele Meter tief in den Fels gefressen und eine gewaltige kathedralenartige Höhle ausgewaschen. Sie ist leider seit einigen Jahren aus Sicherheitsgründen offiziell gesperrt.
 | | Le Grand Phare - der große Leuchtturm der Insel, im Südwesten nahe Bangor gelegen (Foto: www.vapillon.com) |
|  | Der 1835 bei Bangor erbaute "Grand Phare" zählt mit einer Tragweite von 32 Seemeilen zu den lichtstärksten Leuchttürmen Frankreichs. Auf der hohen Steilküste errichtet genügen ihm 47 Meter Höhe, um sich insgesamt 90 Meter über den Meeresspiegel zu erheben. Die 256 Stufen hinauf werden mit einem gewaltigen Ausblick belohnt!
Bangor, der Ort nebenan, entstand vermutlich bereits im 6. Jahrhundert und ist die älteste Siedlung auf der Insel. Damals hatten irische Mönche das rauhe Eiland besiedelt. Heute hat Bangor gut 700 Einwohner und gilt als Künstlerdorf. Claude Monét hat hier gemalt und andere Impressionisten taten es ihm nach.
Auch kulinarisch ist die Belle Ile ein lohnendes Ziel: Die Fischer fangen Seespinnen, Krabben, Langusten, Hummer, viele andere Meeresfrüchte und natürlich Fisch, insbesondere Sardellen. Und in den zahlreichen guten Inselrestaurants gibt es diese Waren fangfrisch serviert.
Weiter Infos:
http://www.belle-ile-en-mer.com/
Touristinformationen auf Deutsch:
Maison de la France
Pariser Platz 5
10117 Berlin
Tel: (030) 590 03 90 11
e-Mail: bernard.roucaud@franceguide.com
Der Autor Thomas Hillebrand schreibt für marinamap aus Deutschland. Der Fotograph Jacques Vapillon lebt im französischen La Trinité sur mer und fotografiert maritime Motive (siehe www.vapillon.com).
Von unseren Besuchern verfasste Ergänzungen
Belle Ile en Mer
Interessante Infos in deutscher Sprache gibts hier
>> www.belle-ile-en-mer.de
oder im blog
>> www.blog.belle-ile-en-mer.de
josef
Schweiz
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