Von Thomas Dorn
 | | Transatlantik: 2900 Seemeilen vor dem Wind |
|  | Das Abschiedsessen am Vorabend war ausgefallen. Stattdessen: unser jährlicher Weinhöhepunkt - die große Bordeauxprobe bei Guy Robert! Entsprechend groggy ging es am Samstag zum Flughafen. Um 11:00 Uhr ging der Flieger nach Las Palmas, vorwiegend Senioren auf dem Weg ins Warme. Ich hatte anderes vor: im Kojencharter mit dem Katamaran über den Atlantik segeln.
Im Hafen von Las Palmas lag sie dann: die "PRIVILEGE", ein nagelneuer Privilege 465 von 14,5 Metern Länge. Der Kat war direkt von der Werft in Les Sables d'Olonne gekommen, hatte gerade 1907 Seemeilen hinter sich. Eine sehr schöne Yacht mit allem Komfort: Generator, Watermaker, Tiefkühlschrank und Geschirrspüler.
Mittlerweile war die restliche Crew angekommen: Heinz aus Neumünster, Bernhard aus München, Ottmar und Georg aus Österreich, sowie unser Skipper Gerhard. Am Sonntag wurde zuerst die Einkaufsliste erstellt: 240 Dosen Bier, 120 Liter Trinkwasser, 40 Liter Saft, 30 Packungen Brot, usw. Insgesamt 1.100 Euro an Lebensmitteln. Zu unser Enttäuschung mussten wir erfahren, dass die Supermärkte in Las Palmas am Sonntag geschlossen bleiben. Unser Abfahrt musste somit verschoben werden.
Am Montag dann endlich einkaufen. Mit zirka acht Einkaufswagen und unzähligen Kisten kamen wir zur Kasse. Zum Glück wurde geliefert, so dass wir um 16:00 Uhr nach dem Tanken endlich ablegen konnten.
 | | Hundewache auf dem Atlantik |
|  | Es ging auf die Reise! Mit einiger Aufregung und Anspannung waren wir unterwegs in die Karibik. Ohne Möglichkeit der Umkehr, da ein Segeln gegen den Passat nicht möglich ist.
In den ersten Tagen hatten wir wenig Wind, wir liefen unter Motor und Genua. Unser Ziel: nach Süden Richtung Kap Verden in den Passatgürtel. Die Etmale blieben gering, dafür das Wetter schön.
 | | Mit dem Parasailor im Passat |
|  | Nach einigen Tagen kam dann der Wind wie erwartet. Wir setzen den Spi - einen "Parasailor", eine Kombination aus Spinnaker und Gleitschirm. Ein revolutionäres Vorwindsegel, das wir insgesamt rund 200 Stunden gesetzt haben, einmal 115 Stunden nonstop. Bestes Sonntagssegeln.
Während unsere Familien den Fortschritt im Internet verfolgten, kamen wir langsam vorwärts. Trotzdem war abzusehen, dass es knapp wird bis Trinidad. Halbzeit erst nach 10 Tagen. Dazu immer eine konfuse See mit Wellen aus unterschiedlichen Richtungen. Nur der Wind blieb konstant: 4-5 Beaufort aus NE.
 | | Thun am Haken: Frischfisch gab es reichlich auf der Überfahrt |
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Erst in der zweiten Hälfte wurden wir schneller. Der Wind frischte auf 6 Beaufort auf, dazu Strom mit 1 Knoten. Unser bestes Etmal: 170 Seemeilen über Grund.
 | | Land in Sicht nach 19 Tagen: Tobago im Dunst |
|  | Trotzdem: Trinidad war nicht mehr drin! Wir würden in der Nacht ankommen und könnten vor unserem Abflug nicht mehr einklarieren. Also: Umbuchen nach Tobago. Bernhard lieh uns sein Iridium-Telefon und Gerhard rief den Vercharterer an. Pustekuchen, von dort kam nur die Auskunft: "Wir können das nicht buchen." Also nahmen wir es selbst in die Hand: dank Reiseführer direkt in Trinidad angerufen und vier Tickets für den Flug von Tobago nach Trinidad reserviert.
 | | Wir haben es geschafft! |
|  | Am 7.12. um 15:45 Uhr fiel der Anker in Scarborough, Tobago. Natürlich war hier die Immigration geschlossen, wir mussten zum Flughafen zum Einklarieren, konnten dafür aber unsere Tickets gleich mitnehmen.
Dann ab in die Kneipe. Das beste am Blauwassersegeln ist immer das Bier auf der anderen Seite des Ozeans! Am Sonntag der Rückflug: Tobago - Trinidad - Miami - Frankfurt - Hamburg, insgesamt 24 Stunden Reisezeit. Endlich ein Wiedersehen mit Birgit, die mir auf der Reise sehr gefehlt hat.
Fazit: In 19 Tagen sind wir über den Atlantik von Las Palmas nach Tobago gekommen. Was für viele Segler ein Traum bleibt, ist so für mich Wirklichkeit geworden! Ich würde es wieder machen - aber nur mit dem Katamaran. Während Einrumpfboote 30 Grad von Links nach Rechts pendeln, konnten wir immer aufrecht gehen, sogar die Weingläser blieben auf dem Esstisch stehen. Das nächste Mal würde ich aber danach in der Karibik weitersegeln, 19 Tage sind lang und es gibt wenig (keine) Abwechslung. Das Vergnügen beginnt erst auf der anderen Seite des Ozeans.
Thomas Dorn ist Eigner der Segelyacht "Immigrant Song", einer Dufour 39 Cockpit Central, und berichtet über seine Segelreisen seit 2000 auf seiner Website: http://www.immigrantsong.de/
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SY Daddeldu (Deutschland)
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