Von Thomas Hillebrand
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Ich gebe nicht gern auf. Segeln ist eine Sache der Geduld. Auf der Kreuz ringt der Mensch dem Wind das eigentlich Unmögliche ab - und läuft mithilfe des Windes gegen ihn an. Aber das braucht Beharrlichkeit.
Ich habe aufgegeben. Dabei hatte alles so gut angefangen: Der erste Schlag meines Törns hatte mich immerhin über 90 Seemeilen weit gebracht - bis an die Südküste Schwedens. Genauer: in den Falsterbo-Kanal. Ich hatte das Richtige getan, nämlich kurz entschlossen statt aller anderen, gemütlicheren Optionen einen kräftigen Südwest für den langen Weg über die Ostsee genutzt. Die Logge war selten unter sechs Knoten gefallen. Um drei Uhr morgens hatte ich festgemacht.
 | | Mit sechs Knoten über die Ostsee |
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Während meines kurzen Schlafs im ersten fremden Hafen hatte der Wind - wie befürchtet - gedreht und auf sechs Beaufort zugenommen. Natürlich kam er nun den Sund herunter gepfiffen! Das ist wohl nicht ungewöhnlich. Nicht einmal bei Westwind. Der Wind umströmt die Insel und kommt unter Land ständig von vorn. Also rang ich dem Wind das eigentlich Unmögliche ab - das Groß im zweiten Reff, die kleine Fock kräftig dicht gezurrt. Zwar war es mit zwölf Grad für die Jahreszeit deutlich zu kalt, aber die Sonne schien und machte alles leicht.
Kopenhagen lag voraus. Mehr als eine Zwischenstation. Eines meiner zwei Ziele.
Das andere war Anholt, die Perle des Kattegats. Im Sommer ist Anholt, die kleine Insel mitten im nördlichsten Ausläufer der Ostsee, unangenehm überlaufen. Ich wollte einmal früh im Jahr dorthin segeln, wenn kaum jemand da ist. Und wenn die Mitternachtssonne die Nacht erhellt. Zwar geht die Sonne in den Breiten Dänemarks - anders als nördlich des Polarkreises - auch im Sommer richtig unter, aber jetzt, gut drei Wochen vor der Sommersonnenwende, steht sie die ganze Nacht nur noch so knapp unter dem Horizont, dass es nicht mehr wirklich dunkel wird. Und weil mein bescheidener Urlaub nie und nimmer für einen Törn zu den berühmten "Weißen Nächten" von St. Petersburg reichen wird, wollte ich wenigstens die Mitternachtssonne im Kattegat sehen.
Kopenhagen hatte ich erreicht. Jene Stadt, die mir immer wieder wie eine urban gewordene Image-Kampagne für das Meer und alles Maritime erscheint. Bis auf die Liegegebühren von 29 Euro für 8,85 Meter Länge über Alles in der Marina Langelinie war alles perfekt. Nach einer langen Nacht in diversen Kneipen der dänischen Metropole bekam ich sogar meinen ersten Mitternachtshimmel - allerdings reichlich nach Mitternacht.
 | | Sommernachtshimmel im Norden des Kopenhagener Hafens |
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Der Schlag am nächsten Tag nach Gilleleje, der Stadt am Nordkap der dänischen Insel Seeland, auf der auch Kopenhagen liegt, brachte außer einem Anlieger bis zu 2 Knoten Gegenströmung im Öresund. Statt mit über sechs Knoten war ich nur noch mit vier unterwegs. Und die Logge zeigte zeitweise noch deutlich schlimmere Werte an!
Dann kam der Tag, an dem ich aufgab: Okay, dass ich mich der freundlichen Aufnahme in das lokale Nachtleben durch einige Gillelejer nicht hatte entziehen konnte und deshalb am nächsten Tag erst um zwei Uhr nachmittags aus dem Hafen kam, hatte ich mir selbst zuzuschreiben. Aber nicht das Wetter: Der Kurs von Gilleleje nach Anholt beträgt etwa 325 Grad. Der Wind kam etwa aus 325 Grad. Angesagt waren bis zu sieben Windstärken. Und kurz nach dem Auslaufen kam der erste schwere Regenguss. Die Seen maßen bald zwei Meter. Und aus 44 Seemeilen würden so schnell 70 werden, bei wahrscheinlich höchstens vier Knoten also knapp 18 Stunden - und das im Regen. Ich nahm weitere Seekarten heraus und suchte nach einem neuen Zielhafen. Anholt adé! Regenklamotten angezogen!
 | | Kein Wetter für Langschläge... |
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Der Tag, an dem ich aufgab, machte alles einfacher: Das Aufkreuzen fiel weg, die zu segelnden Schläge wurden kürzer - und ich lernte ein wunderbares Revier kennen, an dem ich beinahe vorbei gehastet wäre: Seeland. Nur mit dem Regen hatte ich mich zu arrangieren!
Seeland, die größte Insel Dänemarks, liegt im Osten der so genannten Dänischen Südsee, eines Inselarchipels zwischen Jütland und Schweden, das wie für die Segelei geschaffen ist. "Inselhüpfen" ist mit kurzen Schlägen machbar, das Revier ist einfach zu besegeln und hat eine wunderbare Landschaft zu bieten.
 | | Schloss Kronborg in Helsingör |
|  | Drei Highlights an der Ostküste von Seeland hatte ich während meiner hastigen Reise gen Norden schon kurz gesehen: das weltstädtische Kopenhagen, das geschichtsträchtige Schloss Kronborg an der engsten Stelle des Öresunds in Helsingborg (Shakespeares Hamlet spielt übrigens auf Schloss Kronborg, und heute findet sich hier das größte maritime Museum Dänemarks) und den romantischen Hafen von Gilleleje, der Segler so verzückt, dass sie im Sommer - anders als jetzt, Anfang Juni - in Überzahl hier liegen. Diese Attraktionen waren mir aber auch bereits von früheren Törns bekannt.
Nun lag das Abenteuer unbekannter Gegenden vor mir.
Kaum dass Kurs West anlag, wurde ich mit dem Auftauchen eines Schweinswals belohnt. Nirgends im Ostseeraum trifft man so oft auf Schweinswale wie um Seeland herum. Obwohl in der Ostsee nur noch etwa eintausend der Meeressäuger leben, hat der einigermaßen geübte Beobachter sehr gute Chancen auf eine Begegnung. Der Trick dabei ist, nach aufgeregt kreisenden Möwen Ausschau zu halten. Kaum einer der auch Kleiner Tümmler genannten Räuber kann nämlich seiner Jagd auf Schwarmfische allein nachgehen - fast immer versuchen Möwen einen übrig gebliebenen Happen abzubekommen. Und während die Tümmler beim Jagen nur gelegentlich die Rückenflosse kurz aus dem Wasser heben und daher schwer auszumachen sind, markieren die weiß gefiederten Schnorrer (Zoologen sprechen vom "Kommensalen") das Geschehen weithin sichtbar.
 | | Die Hafenausfahrt von Hundested am Abend |
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Nach dem Einlaufen in Hundested, an der Einfahrt vom Kattegat zum Lyse- und Roskildefjord gelegen, kramte ich nach Seekarten für das neue Unterfangen "rund Seeland". Obwohl der Seekartenstapel an Bord über die Jahre wohl auf zehn Zentimeter angewachsen ist, fand ich nicht, wonach ich suchte.
 | | Der Hafen von Hundested: Abendlicht unterläuft die Regenwolken |
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Der nächste Seekartenshop war natürlich nicht im Hafen, sondern in Lynæs - eine knappe Dreiviertelstunden zu gehen. Der Inhaber beriet mich ausführlich und beantwortete meine wichtigste Frage: Kommt man zwischen Seeland und Falster mit stehendem Mast hindurch?
 | | Fischerboote in Hundested |
|  | Ich erfuhr: Die Meerenge zwischen Seeland und Mön im Norden und Lolland und Falster im Süden ist ohne jede Einschränkung für Segelboote passierbar. Zwischen Seeland und Falster verläuft der Storströmmen, wo es zwei Brücken gibt. Beide, die Storstrømsbroen und die Farø-Falster-Broen, haben eine Durchfahrtshöhe von 26 Meter. Danach passiert man zwischen Falster und Mön den Grönsund, den keine Brücken queren. Statt durch den Grönsund kann man auch weiter nördlich zwischen Seeland und Mön hindurchsegeln. Dann muss man allerdings statt der Farø-Falster-Broen die nördlich von Farø liegende Farøbroerne passieren, die mit 20 Metern eine etwas geringere Durchfahrtshöhe besitzt; später folgt die Dronning-Alexandrines-Bro zwischen Seeland und Mön, wiederum mit 26 Metern.
 | | Selbst Schoner können die Brücken rund um Seeland passieren |
|  | Ganz hilfreich für die Törnplanung in Dänemark ist übrigens eine interaktive Karte im Internet, die alle Brücken über Sunde und Belte genau beschreibt, wie ich später herausfand.
Keine Probleme haben Segler jeglicher Masthöhe übrigens mit den beiden größten Brücken Nordeuropas, die man bei "rund Seeland" passiert: Die Öresundbrücke bei Kopenhagen hat 57 Meter, die Storebaeltbrücke bei Korsör sogar 65,5 Meter Durchfahrtshöhe. Und das waren schon die Brücken um die größte dänische Insel!
So einfach war es also! Vielleicht vergaß ich deshalb die Karte vom Großen Belt? Jedenfall sollte ich erst viel zu spät bemerken, dass mir eine sehr wichtige Karte für "rund Seeland" fehlte!
Am nächsten Tag kam ein Manöver, das ich lange herbeigesehnt hatte: Bei sechs Windstärken kämpfte ich mich hoch am Wind an Sjællands Odde, die Nordwestecke der Insel Seeland, heran, passierte dort das lange gefährliche Riff - und konnte endlich Ruder auf Kurs Südwest legen und die Schoten fieren. Mit einem Mal war Ruhe. Mit knapp sieben Knoten im ersten Reff raste ich bei Halbwind auf den Großen Belt zu.
 | | Die Kirche von Sejerby auf Sejerø |
|  | Mein nächstes Etappenziel: Die kleine Insel Sejerø, elf Kilometer lang und weniger als zwei Kilometer breit, mit ihren gerade einmal 400 Einwohnern.
So klein es ist, Sejerø geizt nicht mit Attraktionen: An der Steilküste im Norden bei Lindehoved gibt es eine Kolonie der seltenen Gryllteisten, die sonst nur am Atlantik leben. Und auf dem Nordwestriff bei Gniben kann man mit etwas Glück Seehunde sehen. Apropos Riff: Das Südost-Riff, das sich knapp vier Kilometer in die See hinein erstreckt und auf dem man wie auf einem schmalen Grat weit hinaus in Meer laufen kann, ist jeden Besuch wert!
In Sejerby, dem Hauptort der Insel, steht auf einem flachen Hügel, mit Blick auf das Meer, eine alte Kirche. Kirchenschiff und Altarraum stammen aus dem dreizehnten Jahrhundert. Auf einer Tafel im Eingang finden sich die Namen aller Pfarrer seit 1536.
Im Hafen von Sejerby wurde mir nach mehrfachem verzweifeltem Durchwühlen der Seekarten-Sammlung schmerzhaft bewusst, dass ich ohne jegliche Navigationsunterlagen über den Großen Belt (dänisch: Storebælt) war. Und ein Rundgang durch die kleine Ortschaft macht schnell deutlich, dass kein einziger der 400 Inselbewohner sein Leben durch den Verkauf von Seekarten zu bestreiten beabsichtigt. Und was nun? Eher aus Ratlosigkeit ging ich in den Sejerø Kro (zu deutsch: "Krug von Sejerø"). Nachdem ich ein Bier geordert und halb ausgetrunken hatte, richtete ich meine eigentlich recht sinnlose Frage nach einem Seekartengeschäft auf der Insel an die Bedienung. Minuten später wurde mein Problem von gut einem Dutzend Dänen im gesamten Schankraum engagiert diskutiert! Einer der Gäste, Mitarbeiter der lokalen Fährgesellschaft, schlug vor, dass ich am nächsten Morgen auf die Fähre ginge, die die Insel mit dem Festland verbindet; der Kapitän werde mir schon helfen, der habe ja alle Karten der Region. Wenig später bimmelte das Telefon hinter dem Tresen und es hieß, der Anruf sei für mich. Am anderen Ende der Leitung fragte jemand auf Englisch, ob ich ein Notebook an Bord hätte und bot mir, als ich bejahte, Seekartensoftware für ganz Dänemark an, natürlich umsonst; er könne in einer halben Stunde mit der CD im Kro sein. Dreissig Minuten später schob mir die Bedienung ein Softwarepaket zu. Der selbstlose Helfer war schon wieder unterwegs nach Hause. Ich wurde zum Bier eingeladen und lud ein. Der Abend wurde lang und fröhlich.
 | | Der Kapitän der Sejerøfærgen von der Færgeselskabet Vestsjælland |
|  | Dass die Software sich nicht installieren ließ, dafür kann keiner etwas (außer vielleicht Bill Gates). So wechselte ich am nächsten Morgen zu Plan B - und besuchte, nachdem ich die Software zum Kro zurückgebracht hatte, den Kapitän auf der Fähre. Etwas unsicher kletterte ich zur Brücke hinauf: Der Kapitän einer so großen Fähre wird Dir schon sagen, was er von Leuten hält, die ihren Segeltörn nicht sorgfältig genug vorbereiten, schwante mir. Aber es kam anders: Der Kapitän hörte mein Anliegen aufmerksam an. Dann breitete er Seekarten aus und wälzte Handbücher, um mir die außerhalb des Hauptfahrwassers gelegenen Durchfahrtsmöglichkeiten unter der Brücke zu dokumentieren. Schließlich erläuterte er mir die beste Route vorbei an einem gefährlichen Riff an der Einfahrt zum Großen Belt.
 | | Die Storebæltbrücke achteraus |
|  | Acht Stunden später lag die größte Brücke dieser Reise, die größte Hängebrücke Europas und die zweitgrößte der Welt, hinter mir - dank großer Hilfsbereitschaft und Offenheit, auf die man in Dänemark allenthalben stößt.
Gleich hinter der gewaltigen Brücke liegt die 20.000 Einwohner zählende Hafenstadt Korsør. Doch irgendwie verspürte ich keine Lust auf einen Ort dieser Größe und beschloss einen Hafen weiter zu fahren - ein Entschluss, den ich nicht bereuen sollte.
 | | Austernfischer am Ufer des Skælskør-Fjords |
|  | Der nächste geeignete Hafen südlich von Korsør befindet sich in Skælskør, das mit nur rund 6.000 Einwohnern deutlich kleiner ist.
Bereits der Weg in den kleinen Hafen ist ein Erlebnis: Gut drei Seemeilen weit zieht sich der enge, aber gut betonnte Skælskør-Fjord, ein geschütztes Wildreservat, ins Land hinein. Man kann hier zahlreiche, teilweise auch seltene Seevögel aus nächster Nähe beobachten.
 | | Erfolgreich im Skælskør-Fjord gefischt: Seeschwalbe |
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Das Gebiet der Kommune Skælskør (vergleichbar einem deutschen Landkreis) hat 142 Kilometer Küste und macht Skælskør damit zu Dänemarks Kommune mit der längsten Küstenline. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die idyllischen Inseln Agersø und Omø dazu gehören. Sowohl Angler als auch Freunde des Strandlebens sind bei soviel Uferstrecke also hier gut aufgehoben.
 | | Angler am Skælskør-Fjord |
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Skælskør ist eine alte Stadt. Sie wurde bereits 1231 erstmalig urkundlich erwähnt und war ein nicht unbedeutender Handelsplatz, der allerdings die meiste Zeit im Schatten Korsørs stand.
 | | Historische Wohnhäuser in Skælskør |
|  | Skælskør hat sein historisches Antlitz bis heute bewahrt, viele Fachwerkhäuser im typisch dänischen Stil sind gut erhalten. Die große "Alte Dampfmühle" von 1853 ist sorgfältig restauriert und dominiert das Stadtbild am Hafen.
Im nahe beim Hafen gelegenen Stadtmuseum ("Bymuseum") werden die Geschichte Skælskørs und der Alltag seiner Bürger liebevoll erzählt - die Stadt ist stolz auf ihre lange Vergangenheit.
Was nicht vergessen werden darf: Wer Skælskør besucht, sollte einmal einen Spaziergang am Skælskør Nor unternehmen. Das Skælskør Nor ist ein ruhiger, romantischer See nördlich der Stadt, der nur noch durch einen schmalen Graben mit dem Skælskør Fjord, dem Großen Belt und der Ostsee verbunden ist.
 | | Skælskør-Nor |
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Auch in Skælskør erlebte ich wieder die faszinierenden Abend- und Nachthimmel des Nordens kurz vor der Sommersonnenwende. Die Sonne geht erst wenige Minuten vor zehn Uhr abends unter, und die ganze Nacht ist der Himmel so hell, als wäre sie gerade erst hinter dem Horizont verschwunden.
 | | Nachthimmel in Skælskør |
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Apropos Nachtleben: Skælskør ist natürlich nicht Kopenhagen! Aber am Wochenende ist wird auch hier die ganze Nacht gefeiert. Verständlich, dass ich mich dem nicht entziehen konnte, oder?
 | | Im Fährhafen von Stigsnaes: Ib kommt an Bord |
|  | Im Hafencafé von Skaelskör lernte ich Ib kennen, einen jungen Kraftwerkstechniker, der im Nachbarort auf Montage war, aber eigentlich auf der Insel Lolland lebt. Seine Arbeitswoche war vorüber und ich bot ihm an, ihn nach Hause zu bringen, denn für mich war es nur ein kleiner Umweg. Und so hatte ich wenigstens einmal Gesellschaft auf dem Wasser. Direkt neben dem Kraftwerk, in dem Ib arbeitete, liegt ein winziger Fährhafen: Stigsnæs Havn. Dort trafen wir uns. Ib schien große Angst zu haben, dass uns das Bier unterwegs ausgeht und kaufte sicherheitshalber für horrendes Geld fünfzehn Dosen am Hafenkiosk. Es wurde natürlich eine lustige Überfahrt!
Voraus, zwischen Seeland und Ibs Heimat Lolland, lag als Ausläufer des Großen Belts das Smalandsfarvandet. In deutschen Texten wird der Name immer wieder mit "Smalands-Fahrwasser" übersetzt, doch - auch wenn es so klingt wie "Fahrwasser" - das dänische Wort "Farvandet" bedeutet schlicht "Gewässer". Frei übersetzt ist das Smalandsfarvandet das "Gewässer der kleinen Eilande". Und das ist es in der Tat: Siebenundzwanzig Inseln liegen in dem Seegebiet von etwa dreißig Seemeilen Durchmesser: Fejø, Femø, Askø, Lilleø, Skalø, Vejrø, Rågø, Rågø Kalv, Vigsø, Lindholm, Suderø und Havneø sind die größeren. Das Smalandsfarvandet ist Schutzgebiet für viele Zug- und Brutvögel.
 | | Schloss Oreby am Sakskøbing Fjord |
|  | Nach sechs Stunden unter Segeln erreichten wir den Sakskøbing-Fjord, der sich immer enger werdend in die Insel Lolland einschneidet. Kurz vor Ibs Heimatstadt Sakskøbing wacht seit Jahrhunderten das im Stil der niederländischen Renaissance errichtete Schloss Oreby darüber, wer ein- und ausfährt. Kaum waren wir im Hafen angekommen, wartete auch schon ein getuneter Sportwagen auf der Kaimauer und brachte uns in schneller Fahrt zu einer privaten Party, immerhin war ja Freitag Abend. Ibs Freunde konnten die Geschichte von der Mitfahrgelegenheit über das Smalandsfarvandet gar nicht oft genug hören. Und schon wieder hatte ich Getränke frei.
Am nächsten Tag segelte ich vor dem Wind durch Storströmmen (zwischen Seeland und Falster) und Grönsund (zwischen Falster und Mön), passierte Storstrømsbroen und Farø-Falster-Broen und legte für eine Nacht in Stubbekøbing an.
 | | Büste von König Frederik VII in Stubbekøbing |
|  | Die kleine Stadt Stubbekøbing liegt an der Nordküste von Falster, nur noch fünf Seemeilen von der offenen Ostsee entfernt. Auf dem kleinen hübschen Marktplatz (dänisch: Torvet) erinnert eine Büste an König Frederik VII, der Dänemark am 5. Juni 1849 das erste demokratische Grundgesetz gab, wofür ihm die Dänen bis heute dankbar sind. Auch vor dem Kopenhagener Parlament steht deshalb eine Reiterstatue von Frederik VII.
Nicht nur um zu vermeiden, dass mir schon wieder einer ausgegeben wird, sondern auch, weil am nächsten Tag der lange Schlag zurück nach Deutschland anstand, ging ich früh schlafen.
"Rund Seeland" lag nun fast hinter mir - bis auf eine Kleinigkeit, die am nächsten Morgen auf mich wartete: Verlässt man den Grönsund zwischen Falster und Mön, täuscht der Eindruck freien Seeraumes! Der starke Strom im Sund wirbelt Schwebstoffe hin und her - und die setzen sich da ab, wo die Strömungsgeschwindigkeit wegen des großen Abstandes zwischen den Ufern schlagartig abfällt, nämlich auf der Ostsee. Dort ist eine langgestreckte Barre entstanden, wie sie im Mare Balticum ihresgleichen sucht. Nur innerhalb der ausgebaggerten und betonnten Fahrrinne ist sie sicher passierbar.
Als ich vor starkem Wind segelnd auf die Ostsee rauschte, hatte ich längst vergessen, dass ich eine Woche zuvor aufgegeben hatte. Ich hatte nämlich keineswegs verloren, sondern gewonnen - unvergessliche Tage in einem so wunderbaren Revier!
Von unseren Besuchern verfasste Ergänzungen
Rund Fünen und Seeland
Ich habe gerade einen Film produziert über einen Törn rund Fünen und Seeland. Premiere am 16.2.07 im Clubhaus des SCE (Eckernförde) um 19.oo Uhr.
Dieser Film wird in Kürze als DVD erhältlich sein.
Info: Ehrhard Rost, Tel 04351-752208
e-Mail: feo44@online.de
Ehrhard Rost, Eckernförde
Deutschland
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Online-Logbücher - Dänische Inselwelt (dän. Südsee)
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