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Kojencharter im Land der Kelten: Man und Schottland

Von Thomas Hillebrand

(Teil 2 eines zweiteiligen Reiseberichts) [-> Karte]

Isle of Man und Schottland

Von Dublin kommend legten wir nach rund 70 Seemeilen im südlichsten Hafen der Isle of Man, Port Saint Mary, an. Die Isle of Man ist zwar so genannter Kronbesitz der britischen Krone, gehört jedoch nicht zum Vereinigten Königreich und somit auch nicht zur EU. Die Insel hat sogar eine eigene Währung, das Isle-of-Man-Pound, das im Wert dem englischen Pfund entspricht, jedoch geringfügig anders aussieht - und daher im restlichen Großbritannien als Zahlungsmittel nicht angenommen wird. Die Folge von so viel Eigenständigkeit: Segler haben hier regulär einzuklarieren - was wir erst realisierten, als eine sympathische Uniformträgerin dieserhalb schon bei uns in der Plicht saß.

Port St. Mary: Ein Teil des Hafens fällt trocken
Port St. Mary: Ein Teil des Hafens fällt trocken

Port St. Mary ist ein Gezeitenhafen. Zur Springzeit beträgt der Tidenhub hier sieben Meter und große Teile des Hafens fallen trocken. Nur an der Außenmole gibt es einige tidenunabhängige Liegeplätze, die auch bei Niedrigwasser noch Wasser unter dem Kiel bieten.

Die Kunst des Festmachens bei starkem Tidenhub
Die Kunst des Festmachens bei starkem Tidenhub
Schon so mancher Skipper hat sein Boot bei solchem Tidenhub, als er nach einem Landgang bei Niedrigwasser in den Hafen zurück kam, in stattlicher Höhe an der Kaimauer aufgehängt wiedergefunden - weil die Leinen zu kurz gebunden waren und das Boot nicht mit dem Wasserstand nach unten sinken konnte. Jürgen musste mir, dem Skipper for the day an diesem Tag, mal wieder zeigen, wie er es machen würde, denn, um solchen Missgeschicken vorzubeugen, mussten die Leinen verdammt lang sein.

Ich fand den Tidenhub vor allem deshalb unangenehm, weil wir die rostige und glitschige Stahlleiter, über die wir an Land gelangten, selbstverständlich meist bei Niedrigwasser hinauf- oder - noch schlimmer - hinunterklettern müssen. Dann, wenn die Höhe mir besonders bedrohlich erschien.

Seafood

Obwohl die gesamte Region dafür bekannt ist, kamen wir erst hier in Port St. Mary dazu, den reichen Segen an Fisch und Meeresfrüchten zu genießen. Direkt im Hafen befindet sich ein Fischladen und die Fischer verkaufen auch bisweilen direkt von Bord.

Claudia kauft Hummer direkt vom Kutter
Claudia kauft Hummer direkt vom Kutter

Claudia ließ sich von zwei Fischern sogar in die Mitte des Hafenbeckens schippern, wo die prall gefüllten Fangkörbe mit den noch lebenden Hummern schwammen, und suchte sich zwei besonders schöne Exemplare aus. Wenig später gab es bei uns an Bord "Hummer satt".

Hummer satt
Hummer satt
Aber wir probierten in den Tagen auf der Isle of Man auch andere Köstlichkeiten: In der Irischen See wird viel Makrele (englisch: Mackerel) gefangen, die frisch übrigens eine Delikatesse ist. Auch Steinköhler (Pollack) und Seeteufel (Angler Fish) sind meist frisch zu haben, ebenso wie Jakobsmuscheln (Scallop).

Einmal kamen wir sogar unentgeltlich in den Genuss frischen Fisches: Als wir zwei ältere Petrijünger im Hafen trafen, die eine große Kiste Pollack geangelt hatten, fragte ich, ob sie bereit wären, uns einen Fisch zu verkaufen. Verkaufen würden sie nicht, antworteten die beiden, aber wir dürften uns gerne ein schönes Exemplar aussuchen und mitnehmen. Das Angebot konnten wir nicht ablehnen...

Castletown

Mit dem Bus besuchten wir das wenige Kilometer weiter nördlich gelegene Castletown, eine romantische kleine Stadt, die sich uns in bestem britischem Regenwetter präsentierte.

Castletown: Blick von Castle Rushen
Castletown: Blick von Castle Rushen

Bevor 1869 das noch weiter nördlich liegende Douglas wegen seines größeren und immer besser ausgebauten Hafens Inselhauptstadt wurde, hatte Castletown diese Funktion inne. Wann Castletowns Geschichte begann, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen, ist zu lesen. Aber man weiß, dass um 1250 der letzte Wikinger-König, der über die Isle of Man herrschte, hier ein Schloss bauen ließ, das - über die Jahrhunderte mehrfach erweitert - bis heute das Stadtbild von Castletown bestimmt: Castle Rushen.

Ahnengalerie im Castle Rushen in Castletown
Ahnengalerie im Castle Rushen in Castletown

Selbstverständlich kann man das Schloss besichtigen. Castle Rushen gilt übrigens als eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Schlösser der Britischen Inseln.

Peggy

Ahnungslos landen wir auch im so genannten "Nautischen Museum" der Insel, das sich ebenfalls in Castletown befindet. Es befasst sich, ganz anders als der Name vermuten lässt, nicht mit der Seefahrt im Allgemeinen, sondern hauptsächlich mit einem einzigen Schiff und seinem Eigner: dem kleinen Schoner "Peggy" und seinem einstigen Besitzer George Quayle.

Quayle wurde im Jahr 1751 geboren und erwarb sich im Laufe seines 84-jährigen Lebens eine Stellung als einer der angesehensten Bürger der Isle of Man. Er gründete mit drei Kompagnons die erste Bank der Insel, die "Isle of Man Bank", wurde Mitglied des Parlaments, genannt "House of Keys", und baute die lokale Seenotrettungsgesellschaft auf. Doch es scheint, dass sein Leben nicht nur in solch untadeligen Bahnen verlaufen ist.

Zwar kommen offizielle Quellen in der Darstellung des Lebens von George Quayle bis heute ohne das Wort "Schmuggel" aus, aber das "Nautische Museum" zeigt im Wesentlichen, über welch ausgefuchstes Instumentarium Qualye verfügte, mit dem er - rein theoretisch, wie es hier anklingt - Schmuggel hätte betreiben können.

Der Schoner Peggy in seinem Versteck
Der Schoner Peggy in seinem Versteck

Qualye lebte zu einer Zeit, in der die Isle of Man - bereits damals politisch von England separiert - ein Hauptstützpunkt für Schmuggler war, die begehrte, aber knappe Waren über die Irische See ins benachbarte Königreich einschleusten. Qualyes 1791 gebautes Schiff, die "Peggy", war ein für seine geringe Größe von knapp 9 Metern extrem seegängiges und modernes Schiff. Der Clou: Es ließ sich vom Hafen aus mit wenigen Handgriffen in ein verstecktes Kellergeschoss bugsieren und war für niemanden mehr sichtbar. Ein benachbarter Lagerraum war darüber hinaus so gemauert, dass jedes Hochwasser über eine kleine Maueröffnung alle Reste umgeschlagener Waren vom Boden fortspülte. Und der Salon des Hauses, der "Cabin Room", verbarg in einem geheimen Fach, das sich nur über einen hinter Wandpaneelen verborgenen Seilzug öffnen ließ, feinsten französischen Brandy, die wichtigste Schmuggelware der damaligen Zeit.

Für Museumsbesucher geöffnet: George Quayles Brandy-Versteck
Für Museumsbesucher geöffnet: George Quayles Brandy-Versteck
Etwa zwanzig Jahre vor seinem Tod soll George Quayle seine "Peggy" im Haus eingeschlossen und dem Vergessen preisgegeben haben, so ist zu lesen. Rund einhundertzwanzig Jahre seien der Schoner, die trickreichen Funktionen des Hauses und der Brandy unentdeckt geblieben, heißt es in der offiziellen Darstellung. Doch wusste wirklich niemand mehr von Quayles Geheimnissen?

Es scheint, dass die Nachfahren durchaus Kenntnis davon hatten. Denn im Jahr 1935 ließ die letzte lebende Nachfahrin der Quayle-Familie einen Historiker einen Blick auf das Schiff werfen, damit dieser ein Modell bauen konnte. Danach wurde der Keller noch einmal für sechs weitere Jahre unter Verschluss genommen, bis die alte Dame 1941 starb und Haus und Inhalt zu guter Letzt dem Staat vermachte. Es scheint, dass ihr Interesse recht gering gewesen sein muss, zu Lebzeiten aufzudecken, was ihr Ahn nebenberuflich so getrieben hatte.

Und diesem Willen unterwirft sich das 1951 eröffnete Museum bis heute ganz offensichtlich auf loyalste Art und Weise. Das hohe Ansehen des George Quayle wird auch nicht durch das geringste abfällige Wort beschädigt. Schon gar nicht durch ein Wort wie "Schmuggel". Und deshalb heißt das Museum auch "Nautical Museum" und nicht anders.

Calf Sound

Am Abend bevor wir die Isle of Man in Richtung Schottland verlassen, ergibt die Auswertung unserer nautischen Unterlagen eine unangenehme Zeit zum Aufstehen: 4:30 wecken, 5:00 Uhr ablegen. Denn wir haben den Calf Sound zu passieren, eine 100 Meter enge Durchfahrt zwischen der Isle of Man und einem kleinen Eiland namens Calf of Man. Zur Springzeit herrschen hier bei halber Tide bis zu 5 Knoten Strömung!

In Lee von der engsten Stelle bilden sich dann gefährliche Strudel (englisch: whirlpools oder eddies). Und wenn der Wind gegen den Strom steht, kommt es zu sehr steiler Welle (tide rips), die frühzeitig bricht - und dabei unter Umständen auf der Stelle bleibt (overfalls, races). In schottischen Straits and Firths, wo die Strömungen teilweise noch viel schneller fließen, sind solche Erscheinungen gefürchtet. Denn sie haben schon oft kleine Boote zum kentern gebracht und die Besatzung in die Tiefe gerissen. Zwar ist der Calf Sound nicht so gefährlich, aber wir wollen nicht gegen den Strom ankämpfen. Und so passieren wir die Engstelle kurz vor der kippenden Tide im Morgengrauen.

Noch vor Sonnenaufgang: der enge Calf Sound voraus
Noch vor Sonnenaufgang: der enge Calf Sound voraus

Am Vorabend haben uns einheimische Segler im Isle of Man Yacht Club erzählt, dass wir im Calf Sound Riesenhaie (Cetorhinus maximus) (englisch: Basking Shark) sehen könnten. Ihnen seien gerade heute Nachmittag mehrere Exemplare dort begegnet. Wir starren gespannt ins bläuliche Dunkel. Aber wir sehen nichts.

Portpatrick

Portpatrick, den ersten schottischen Hafen, erreichen wir zum Glück bei Hochwasser. Denn als wir es geschafft haben, trotz knapp drei Knoten quer zur Hafeneinfahrt setzendem Strom die schmale Einfahrt zwischen den Felsen zu treffen, bedeutet uns der Hafenmeister beim Entgegennehmen der Leinen, dass man eigentlich so nicht durch das flache Hafenbecken fahren sollte. Bei weniger Wasser hätten wir wohl einen Felsen berührt. Eigentlich, so macht der Hafenmeister deutlich, hätten wir uns dichter am Half Tide Rock halten sollen, einem mitten im Hafen liegenden Felsen, dem wir wegen seines sympathischen Namens gerade aus dem Wege gehen wollten.

Portpatrick
Portpatrick

Portpatrick ist ein Hafen, der oft - zurecht - als malerisch bezeichnet wird. Er ist von Felsküste umschlossen. Seine Kaimauern sind aus dicken Natursteinquadern gebaut und scheinen für die Ewigkeit angelegt. Und an der kurzen Straße, die die Hafenbecken säumt, laden diverse Seafood-Restaurants zum Besuch ein.

Segelmacher überflüssig: Das Unterliek wird mit der Handnähahle repariert
Segelmacher überflüssig: Das Unterliek wird mit der Handnähahle repariert
Doch bevor wir Landgang haben, gibt es noch schnell eine weitere Möglichkeit, dem Skipper über die Schulter zu schauen und etwas für die Seemannschaft zu tun: Bei schwachem Wind hat die ausgebaumte Genua gelegentlich geschlagen. Am Unterliek ist dabei eine Naht aufgegangen. Jürgen holt Handnähahle und Segelgarn aus der Werkzeugkiste und zeigt Claudia, wie man so etwas wieder fachmännisch zusammennäht.

Dunskey

Wir haben das imposante Bauwerk bereits von See gesehen, jetzt steht eine Besichtigung an: Ein paar Minuten zu Fuß südlich von Portpatrick steht auf der Steilküste an der Irischen See die Ruine von Dunskey Castle.

Dunskey Castle
Dunskey Castle
Das Schloss wurde 1510 errichtet, doch schon seit dem Jahr 685 soll es an dieser Stelle eine Festung gegeben haben.

Die Geschichte von Dunskey Castle zeugt von den rauhen Sitten des einstigen schottischen Adels: Ein gewisser John Adair of Kinhilt ließ das Castle neu errichten, nachdem Sir Alexander MacCulloch of Myreton es 1489 als Vergeltung für einen nie ganz aufgeklärten Mord hatte niederbrennen lassen.

Sir Alexander, der als der berüchtigte Cutlar MacCulloch in die Geschichte der Region eingehen sollte, scheint das Verüben von Vergeltungsmaßnahmen später quasi zu seinem Hauptberuf gemacht zu haben. Denn als Rache für einen Angriff des Grafen der Isle of Man auf die schottische Westküste im Jahre 1507 drangsalierte er die Bevölkerung von Man viele Jahre, so dass als Gebet der Insulaner bis heute überliefert ist:

God keep the house and all within
From Cut McCulloch and from sin.


Dunskey Castle wurde, wie seinerzeit üblich, ohne jeglichen Mörtel aus exakt zurecht geschlagenen Steinquadern gebaut, die der Felsküste entstammen.

Wie es sich für ein schottisches Schloss gehört, haust auf Dunskey der Legende nach auch ein Gespenst: Ein Kindermädchen soll einst einen Säugling aus dem Fenster auf die tief darunter liegenden Felsen fallen lassen haben. Ihr Geist wartet seitdem in der Schlossruine auf Erlösung.

Personal Everest

Am nächsten Morgen verlassen wir Portpatrick mit Kurs auf die Halbinsel Kintyre. Im North Channel, der die Irische See im Norden mit dem Atlantik verbindet, laufen wir zwischen Portpatrick und Campbeltown fast parallel mit einem anderen Segelboot. Fast parallel stimmt eigentlich nicht, denn mit jeder Meile macht unser von hinten aufkommender Konkurrent eine knappe Kabellänge gut und überholt uns schließlich - trotz allem verzweifelten Segeltrimmen unsererseits - an Backbord. Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass wir einem Boot von gerade einmal einem Drittel der Länge unserer 43-Fuß-Yacht unterlegen sind. Immerhin, man kann im Gegenlicht erkennen, dass es sich um einen kleinen Mehrrümpfer handelt. Und wir nehmen zur Kenntnis, dass in seiner Nähe ein Motorboot unterwegs ist, was uns auf einen professionellen Herausforderer schließen lässt.

Vorbeigezogen: Geoff Holt von achtern...
Vorbeigezogen: Geoff Holt von achtern...

Später werden wir herausbekommen: Wir sind von keinem Geringeren als Geoff Holt überholt worden, einer Legende des britischen Behindertensports. Der 41-Jährige ist seit einem Schwimmunfall in seiner Jugend querschnittsgelähmt und hat in den vergangenen 23 Jahren, die er an den Rollstuhl gefesselt ist, diverse Rekorde herausgesegelt. Holt befand sich mit seinem nur 15 Fuß kurzen Trimaran "Freethinker" gerade auf einer Einhandumsegelung Großbritanniens - 1.600 Seemeilen, die er seinen personal Everest nannte und die er in maximal 50 Tagen absolviert haben wollte. Aber auch ohne eine Bestzeit hatte er einen Rekord in Aussicht: der erste Querschnittsgelähmte zu sein, der die Britischen Inseln umsegelt hat.

Geoff Holt war bereits vor dem Törn ein Star: Bevor er Ende Mai unter dem Applaus von Hunderten Zuschauern von Southampton aus in See stach, besuchte ihn sogar Prinzessin Ann in seinem Heimathafen in London.

Springbank Distillery

Am elften Tag unseres Törns ist es endlich so weit: Wir werden unseren Hafentag in Campbeltown auf Kintyre für den Besuch einer Whiskybrennerei nutzen. Fast ein Jahr haben Claudia und ich - beide begeisterte Liebhaber des Single Malts - von einem Törn in Schottland geträumt, den wir "Whisky-Route" genannt haben.

Früher gab es in der Gegend um Campbeltown 28 Whiskydestillerien, heute nur noch drei. Immerhin hat die Scotch Whisky Association die Halbinsel Kintyre nach zwischenzeitlicher Aberkennung dieses Status wieder als eigenständige Herkunftsregion des Campbeltown Whiskys anerkannt.

Unser Ziel, die Springbank Distillery, ist bequem zu Fuß vom Hafen aus zu erreichen und tagtäglich auf Besuch eingestellt. Sie wurde 1828 gegründet und ist seit nunmehr 170 Jahren im Besitz der Familie Mitchell, während die meisten schottischen Destillen längst zu Getränkekonzernen gehören. Besonders interessant macht den Besuch, dass hier noch der ganze Produktionsablauf vom Torfstechen bis zur Flaschenabfüllung in einem Betrieb erfolgt. Und selbstverständlich erlauben die hier verwendeten traditionellen Produktionsmethoden keine industrielle Techniken wie das Färben des Whiskys mit dem Ziel eines immer gleichbleibenden dunklen Tons oder die Kühlfilterung, bei der aus optischen Gründen Fettanteile entfernt werden und mit ihnen auch ein Teil der Geschmacksstoffe.

Jedes Fass enthält 250 Liter Single Malt Whisky
Jedes Fass enthält 250 Liter Single Malt Whisky

Wir lernen den gesamten Herstellungsprozess kennen: Durch Anfeuchten wird Gerste zum Keimen gebracht, wobei sie Stärke bildet. Auf dem Trockenboden und im Räucherofen wird die feuchte Gerste nun zu Malz getrocknet, teilweise im Räucherofen mit Torf, wodurch sie das typisch rauchige Scotch-Aroma entwickelt. Danach wird das Malz gemahlen und das Mehl mit Wasser vermengt. Dabei lösen sich die im Malz erzeugten Zuckerstoffe. Die entstandene "Würze" (englisch "wort") wird dann mit Hefe vergoren, wobei der Alkohol entsteht. Das Gärprodukt (englisch "wash" oder auch "beer") wird schließlich mehrfach destilliert. Der rohe Whisky ist dann noch mehr oder minder ungenießbar. Er bekommt seinen beliebten Geschmack erst nach mehrjähriger Lagerung in Eichenfässern (ehemalige Bourbon-, Sherry- oder Rumfässer), aus deren Holz er Geschmacksstoffe löst.

Detaillierte Infos zur Herstellung von Whisky finden sich hier.

Es gibt sie doch

Unser letzter Schlag von Campbeltown nach Largs bei Glasgow war noch einmal schönes Segeln am Wind. Unser Zielhafen Largs strahlte zwar eher nur den Charme eines gediegenen Vorortes aus als die Romantik einer alten Hafenstadt - aber das war nicht mehr wichtig. Wichtig war die gute Anbindung an einen Flughafen. Doch natürlich gab es am letzten Abend noch ein Stout.


In der Bar des Yachtclubs kam ich spät am Abend mit zwei Schotten ins Gespräch. Lange kreiste unser Gespräch um die deutsche Geschichte und die Wiedervereinigung der deutschen Nation. Sie konnten gar nicht genug bekommen von meinen Schilderungen jenes Tages, als die Mauer fiel. Mich beschlich ein unglaublicher Gedanke: Ging es vielleicht im Herzen der beiden noch um eine ganz andere Nation? Um die Wiedervereinigung der keltischen Nation vielleicht? Als Andrew mich fragte, wie mir meine Reise über die Irische See gefallen habe, legte ich einen fetten Köder aus: Sehr gut, besonders die keltische Kultur sei eine faszinierende Angelegenheit, sagte ich!

Ich solle das englische Wort celtic nur ja nicht mit "s" aussprechen, konterte mein Gegenüber. Es gebe zwar wenige Kilometer entfernt in Glasgow einen Fußballverein, der diese Aussprache bevorzuge, aber das sei dessen Sache. Wenn ich von der keltischen Nation und ihrer Kultur spreche, dann solle ich doch bitteschön das Wort celtic mit "k" aussprechen.

Ich war mir sicher: Nach 343 Seemeilen durch keltisches Gebiet, am letzten Abend eines zweiwöchigen Törns, hatte sich mir gerade der erste Kelte zu erkennen gegeben.




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