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Revierführer Atlantische Inseln: Kanarische Inseln, Madeira und Azoren - von Jimmy Cornell


Segelrouten der Weltmeere (Gebundene Ausgabe) - von Jimmy Cornell


Atlantiktörn von den Azoren nach Irland

Von Paul Rau

Der Hafen von Horta
Der Hafen von Horta

Seit langem wollte ich mal ausprobieren, wie es mir bekommt, wenn mehrere Tage kein Land in Sicht ist. Da kam das Angebot im Törnplan der "Leon de Mar" genau recht: Die Azoren sind noch relativ leicht mit dem Flieger zu erreichen, zwei Wochen Urlaub waren für mich auch noch von der Arbeit abzuzwacken und obendrein kannte ich das Schiff von einem Segeltörn in der Nordsee schon: Mein Freund Dieter und ich hatten sie 2005 mal für eine Woche gechartert und hatten Helgoland und die ostfriesischen Inseln erkundet.

Jimmy Cornell schreibt in seinem Buch "Segelrouten der Weltmeere" zu dem Törn Azoren-Irland: "Mit Ausnahme des sonnigen Abfahrtstages ist das Wetter unterwegs mit großer Sicherheit grau, nass und kalt." Na ja, das konnte ja heiter werden.

Das erforderliche Ölzeug, Stiefel, warme Klamotten bescherten mir gleich beim Abflug in Stuttgart 35 Euro Zuschlag für Übergepäck. Was soll's, im Gegensatz zu Dieter habe ich mein Gepäck auch wieder rechtzeitig bekommen, während Dieters Gepäck erst zwei Tage später nachgeliefert wurde - übrigens eine halbe Stunde, nachdem wir vor Ort Ersatzölzeug und Klamotten gekauft hatten.

Wer festgemacht hat, verewigt sich auf der Pier
Wer festgemacht hat, verewigt sich auf der Pier
Wir selbst kamen mit einem Tag Verspätung in Horta an, wo uns Jürgen herzlich auf der "Leon de Mar" mit einem äußerst leckeren Eintopf empfing. Wegen der Verspätung und weil Dieter Segelkleidung kaufen wollte, konnten wir statt am Samstag erst am Montag auslaufen. So konnten wir noch Feial erkunden und uns in Ruhe mit dem Schiff vertraut machen.

Bei drei Mann Besatzung vereinbaren wir folgendes Wachsystem: Jürgen von 04:00 bis 08:00 Uhr (damit er während seiner Wache die Wetterkarten empfangen kann), Dieter von 08:00 bis 12:00, ich von 12:00 bis 16:00, Jürgen wieder von 16:00 bis 20:00, Dieter von 20:00 bis 00:00 und ich von 00:00 bis 04:00. Das wollen wir für den ganzen Törn beibehalten, damit man leichter seinen Wach-Schlaf-Rhythmus findet.

Der vulkanische Ursprung der Inseln ist überall zu erkennen
Der vulkanische Ursprung der Inseln ist überall zu erkennen
Am frühen Nachmittag können wir dann endlich ablegen. Der Wind kommt mit rund 8 bis 10 Knoten aus NE, also ziemlich genau aus der Richtung, in die wir fahren wollen. Also müssen wir erst mal aufkreuzen, bis wir von den Inseln frei sind. Jürgen führt uns in die Geheimnisse der Windsteueranlage ein. Sie heißt Egon und ist unser anspruchslosester und ausdauerndster Mitsegler. In der Nacht laufen wir dann mit 5,5 Knoten nach Norden. So kommen wir zwar nicht ans Ziel, hoffen aber, früher die für Mitte der Woche angekündigten Westwinde zu erreichen. Das Wetter beschert mir während meiner ersten Nachtwache für eine Stunde einen gigantischen Sternenhimmel, den ich in vollen Zügen genieße.

Im Laufe des Dienstagvormittags dreht der Wind Richtung Nord, so dass wir wenden und jetzt etwa 70 Grad fahren, der Sollkurs wäre 42 Grad. Am späten Nachmittag schläft der Wind dann ein und wir starten die Maschine. Unter Motor fahren wir in unsere zweite Nacht auf dem Atlantik. Bei dem gleichmäßigen Geräusch der Maschine schlafe ich so fest, dass Dieter seine liebe Not hat, mich um Mitternacht wach zu kriegen. Mit dem erhofften Sternenhimmel ist es nicht so weit her: Dünne Schleierwolken bedecken den größten Teil des Himmels und der Mond steht auch noch hoch und blendet.

Im Laufe des Mittwochvormittags bekommen wir achterlichen Wind. Wir setzen das Großsegel und fieren es auf, so laufen wir jetzt 6 statt 4,7 Knoten nur unter Maschine. Am späten Vormittag erreicht der Wind 16 Knoten, der Motor wird abgestellt und wir laufen unter Schmetterling mit 5 bis 6 Knoten auf Sollkurs. Um 17:00 Uhr unterschreiten wir die 1000-Meilen-Marke nach Cork. Mit raumem bis achterlichem Wind laufen wir zügig weiter, bis in der Nacht zum Freitag der Wind auffrischt. Als ich meine Hundewache antrete, haben wir circa 30 Knoten und laufen nur unter aufgefiertem Groß mit 8 Knoten Richtung Irland. Ich habe bei dieser Besegelung Bedenken, zumal der Wind weiter auffrischt. Wir wecken Jürgen und halten Kriegsrat: Er meint, wenn wir unseren Kurs beibehalten, liefen wir genau auf das Zentrum eines Tiefs zu und wir würden auf jeden Fall sehr viel Wind bekommen. Sein Vorschlag: Wir gehen auf Halbwindkurs und fahren parallel zur Zugrichtung des Tiefs, bis dessen Zentrum uns nördlich überholt hat, um danach auf der Rückseite wieder Kurs auf Irland zu nehmen. Wir bergen deshalb das Großsegel und setzen die Genua auf halber Größe und gehen auf 90 bis 100 Grad.

Leon de Mar läuft 8 Knoten mit drei Quadratmetern Segelfläche
Leon de Mar läuft 8 Knoten mit drei Quadratmetern Segelfläche

Gegen 02:00 Uhr gibt Egon seinen Geist auf. Jürgen sagt nur Sch..., klappt das Hilfsruder hoch und bindet es fest. Ab jetzt müssen wir von Hand steuern. Der Seegang wird höher und die Wellen beginnen zu brechen. Um ehrlich zu sein, habe ich das erste Mal Angst: Solche Bedingungen sind für mich neu. Aber dann sage ich mir, dass Jürgen wohl kaum einem Süßwassermatrosen wie mir das Ruder überlassen würde, wenn eine erste Gefahr bestünde. Ich kann die "Leon de Mar" gut auf Kurs halten und nach einer Weile macht es sogar Spaß. Es gießt allerdings wie aus Kübeln und die Brecher schlagen voll gegen das Schiff.

Die Genua hat jetzt noch eine Größe von 4 bis 5 Quadratmetern und wir laufen 5 bis 6 Knoten. Trotz Ölzeug bin ich nach einer Weile halbseitig durchnässt, aber es ist nicht kalt. Um 02:30 Uhr löst mich Jürgen ab. Ich döse im Ölzeug in der Navi-Ecke. Um 04:00 bin ich wieder dran, damit Jürgen die Wetterkarten empfangen kann.

Ich bleibe bis 06:30 am Ruder und sinke dann ziemlich fertig in meine Koje. Um 10:30 ist die Front durchgezogen, der Wind dreht nach rechts und die Sonne kommt raus.

Jürgen beschließt, Egon auszubauen und einen Reparaturversuch zu unternehmen. Wir seilen uns auf der Heckplattform an, Jürgen schraubt und ich sichere. Wir haben immer noch 4 bis 5 Meter Wellenhöhe und gelegentlich steigt eine von hinten ein. Dann legen wir Egon ins Cockpit und untersuchen ihn: Ein Kunststoffgelenk an der Getriebestange zwischen Windfahne und Hilfsruder ist ausgerissen. Zum Glück gibt's auf der "Leon de Mar" jede Menge Krimskrams und so bastle ich aus einer Batteriepolklemme, den Resten des alten Gelenks und einem Stückchen Kunststoffummantelung von der Reling einen Ersatz. Um 19:00 ist Egon wieder an seinem Platz und tut wieder Dienst. Dieter hat derweil fast den ganzen Tag am Ruder gestanden. Ich glaube, ich hätte nicht so lange durchgehalten. Todmüde geht er abliegen, ist aber eine Stunde später schon wieder mit Wache dran. Mit einem Fünftel der Genua laufen wir platt vorm Wind 5 bis 6 Knoten. Egon arbeitet tadellos und ich kann es einfach laufen lassen. Um 03:00 Uhr frischt der Wind allerdings weiter auf. Wir haben jetzt über 40 Knoten, der Luftdruck fällt auch schon wieder und ich rolle die Genua bis auf etwa drei Quadratmeter ein.

Vor dem Wind: Dieter am Ruder
Vor dem Wind: Dieter am Ruder

Trotzdem laufen wir zwischen 5 und 7 Knoten. Am Sonntagmorgen meint Jürgen, dass wir nun genügend Abstand zum Tief haben müssten. Der Wind hat auch nachgelassen und wir können unter voll gesetzter Genua wieder Kurs auf Irland nehmen. Heute feiern wir unser Bergfest. Bei herrlichem Sonnenschein gibt's Kaffee und frisch gebackenen Hefezopf im Cockpit. Am Abend dann ein echtes Captain's Dinner: Jürgen serviert als Vorspeise Pulpostückchen (Polyp), danach einen Kürbiseintopf (der Kürbis stammt noch von Kuba) mit Lauch, Karotten und Champignons. Es schmeckt hervorragend. Zur Feier des Tages genehmigen wir uns ein kleines Gläschen Rotwein. Ansonsten haben wir beschlossen, aus Sicherheitsgründen keinen Alkohol zu trinken.

Für den Montag ist eine schwache Störung angesagt. Der Isobarenabstand ist aber so groß, dass Jürgen beschließt durchzusegeln. Wir laufen den ganzen Tag unter Vollzeug mit 7 bis 9 Knoten. Abends koche ich Risotto. Wir haben fast immer gekocht und ich bin überrascht, wie gut das auch bei Wind und Wellen geht. Allerdings musste ich erst lernen, vorsichtiger als gewohnt mit allem umzugehen. Man darf nichts ungesichert stehen lassen, sonst fliegt es bei der nächsten Welle quer durch den Salon.

Abends reffen Dieter und Jürgen das Groß, falls die Kaltfront in der Nacht doch noch kommen sollte. Als ich um Mitternacht an Deck komme, bläst es wieder ziemlich kräftig und wir laufen mit drittem Reff und voll ausgerollter Genua mit über 9 Knoten durch die Nacht. Da ich sowieso meinen Ruf als Bremser weg habe, rolle ich die Genua ein Stück ein. Jetzt sind es nur noch 7,5 Knoten, dafür habe ich weniger Stress. Gegen Ende meiner Wache dreht der Wind ziemlich zügig fast 40 Grad nach rechts. Vermutlich ist jetzt die Kaltfront durch und wir sind auf der Rückseite. Ich muss anluven um den Kurs halten zu können.

Begleiter auf dem Atlantik: Delfine neben dem Boot
Begleiter auf dem Atlantik: Delfine neben dem Boot
Dienstagfrüh gibt's frische Brötchen zum Frühstück. Die hat Jürgen während seiner Wache gebacken: Weizenmehl, Trockenhefe, Meerwasser und Olivenöl, schmeckt einwandfrei. Das Wetter ist das typische Rückseitenwetter: sonnig aber böig, so dass wir Egon gelegentlich zu Hilfe kommen müssen. Wir sitzen fast den ganzen Tag im Cockpit und genießen die Sonne. Am Abend sind es noch 200 Meilen bis Cork. Wenn es so weiterläuft, müssten wir in der Nacht zum Donnerstag ankommen.

In der Nacht zum Mittwoch nimmt der Wind wieder etwas zu und die See wird ruppiger. Wir fahren Halbwind mit drittem Reff und wenigen Quadratmetern Genua. Tagsüber frischt es wieder auf 8 Beaufort auf und wir laufen immer noch unter der Sparbesegelung von heute Nacht. Unseren Ansteuerungspunkt müssten wir heute Nacht zwischen 2 und 3 Uhr erreichen. Auf dem Kartentisch liegt jetzt nicht mehr die Großkreiskarte, sondern die 1:200 000-Imray-Karte mit der Ansteuerung von Cork. Wir gehen mit Jürgen die Leuchtfeuer durch, die heute Nacht in Sicht kommen müssen. Außerdem müssen wir uns von zwei Ölfeldern freihalten, die einige Meilen vor der Küste liegen.

Als ich um Mitternacht meine Wache antrete, sind es nur noch 25 Meilen bis zu unserem Ansteuerungspunkt und die ersten Leuchtfeuer sind in Sicht. Allerdings hat der Wind deutlich nachgelassen. Um 03:00 Uhr gehe ich direkt vor den Wind mit drittem Reff im Groß und voll ausgerollter Genua, aber mehr als 4 Knoten sind nicht drin. Als Jürgen rauf kommt, reffen wir aus, aber der Wind lässt weiter nach, so dass wir auch nicht schneller werden. Um 06:00 Uhr dümpeln wir mit knapp 2 Knoten Richtung Cork. Nach 1.400 Seemeilen nach Logge lässt der sportliche Ehrgeiz doch etwas nach. Außerdem müssten wir später gegen den Ebbstrom anfahren. Wir bergen deshalb das Groß und die Genua und fahren die letzten sechs Meilen unter Maschine. Die Ansteuerung ist sehr gut mit einer Richtfeuerlinie markiert. Trotzdem muss man an einigen Stellen aufpassen, aber Jürgen hat vom Laptop aus den besseren Überblick, als ich beim Abbiegen in die Bucht von Crosshaven zu weit aushole, und korrigiert rechtzeitig.

09:00 Uhr: Wir haben festgemacht und das erste Mal seit knapp 10 Tagen wieder festen Boden unter den Füßen. Jetzt rufe ich erst mal Ulla, meine Frau an und sage, dass wir gut angekommen sind. Danach wird gefrühstückt: eine Riesenpfanne mit Spiegeleiern, Kaffee, Tee, Brötchen und so weiter. Anschließend geht Jürgen zum Einklarieren während Dieter und ich die Pantry mal wieder richtig sauber machen. Das große Reinemachen verschieben wir auf morgen.

Ein Guiness nach 12 Tagen Abstinenz
Ein Guiness nach 12 Tagen Abstinenz
Nach dem Duschen im Royal Yacht Club (welch eine Wohltat!) fahren wir mit dem Bus nach Cork und trinken dort im Pub das obligatorische Guinness. Nach zehn Tagen Abstinenz haut das so rein, dass keiner ein Zweites will. Mit einem fürstlichen Essen im Yachtclub beschließen wir unseren Ankunftstag. Am Freitag machen wir in aller Ruhe "Klarschiff" und packen unsere Sachen. Wir müssen am Samstag früh um sechs Uhr los zum Flughafen. Den Abend verbringen wir in einem echt irischen Pub mit Live-Musik. Danach noch gemütlicher Ausklang auf dem Schiff.

Fazit: Es war für mich das ganz große Segelerlebnis: Ich habe jetzt zumindest eine leise Ahnung, was Langfahrt bedeutet. Man kann auf der "Leon de Mar" von Jürgen echt viel lernen, sicher auch Dinge, die in keinem Lehrbuch stehen. Dafür Dir, Jürgen, nochmals vielen Dank! Mitsegeln auf der "Leon de Mar" kann ich jedem nur empfehlen.

Paul Rau segelte den Törn von den Azoren nach Irland vom 23. Juni bis 6. Juli 2007 auf der Leon de Mar per Kojencharter.


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SY Sarah (U.S.A.)



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